Die operante Konditionierung

Verstehst du die operante Konditionierung, kennst du auch die Gefühle deines Hundes beim Training.
Und du kannst deinen Hund gleichzeitig vor unfairen und überfordernden Trainingsmethoden schützen.
Egal ob sie auf dem Hundeplatz oder im TV angewandt werden.

Bei der operanten Konditionierung wird ein Verhalten gezielt gelernt und später auch bewusst ausgeführt. Im Gegensatz dazu die klassische Konditionierung bei der das Verhalten fast reflexartig auf einen Reiz oder ein Signal folgt,

Klassisch: Spürst du einen Luftzug am Auge, schliesst sich dieses automatisch 
Operant: Du lernst ein Auge bewusst zu schliessen und kannst nun auch Jemandem zuzwinkern

Damit das operante Lernen gelingt, muss dem Verhalten eine Konsequenz folgen. Eine Konsequenz die sich für den Lernenden entweder positiv oder negativ anfühlt und unter den Begriffen „Belohnungen und Strafen“ bekannt sind.

  • Belohnungen führen dazu, dass erwünschte Verhalten häufiger gezeigt werden *
  • Strafen führen dazu, dass unerwünschte Verhalten seltener gezeigt werden **

* oft auch als Verstärkung bzw. ** Korrektur, Einwirkung bezeichnet

NEGATIVE BELOHNUNG – POSITIVE STRAFE

Wie soll das gehen? Belohnungen sind doch per se gut und Strafen unschön. In unserem Alltag machen diese zwei Verbindungen tatsächlich keinen Sinn. Denn hier bewerten wir positiv und negativ aufgrund unserer Emotionen, die wir damit verbinden.

Betrachten wir diese Begriffe jedoch rein wissenschaftlich, so sind diese weder wertend noch emotional zu verstehen. Es ist eine rein mathematische Formel: Positiv fügt etwas hinzu / negativ nimmt etwas weg. Einfacher wäre es daher sicherlich, hätte man stattdessen „Plus und Minus“ verwendet. Aber in der Lerntheorie hat man sich nun mal auf die anderen Begrifflichkeiten geeinigt. Deshalb hier eine kleine Hilfe zum besseren Verständnis:

  • Positive Belohnung: Etwas Angenehmes kommt hinzu (B+)
  • Negative Belohnung: Etwas Unangenehmes/Angstmachendes verschwindet (B-)
    .
  • Positive Strafe:  Etwas Unangenehmes kommt hinzu (S+)
  • Negative Strafe: Etwas Angenehmes wird weggenommen / vorenthalten (S+)

* oder auch R+/- und P +/- für reinforcement und punishment

Man spricht hier deshalb auch von den 4 Quadranten der operanten Konditionierung. Und ob Positiv oder Negativ etwas Gutes oder Schlechtes bedeutet, hängt tatsächlich nur davon ab…

  • Was man hinzufügt: Leckerchen (B+) oder Ausschimpfen (S+)
  • Was man wegnimmt: Spinne (B-) oder Schokolade (S-).

Oder hier noch ein anderes Beispiel: eine Tablette, die dir deine Schmerzen nimmt, entspricht einer negativen Belohnung. Ein ausgefallener Kinoabend einer negativen Strafe. Erst recht, wenn du dich davor extra hübsch gemacht hast.

UND DOCH, HINTER JEDEM QUADRANTEN STECKEN EMOTIONEN

Würden wir Maschinen oder Computer trainieren, so müssten wir diese 4 Quadranten im Hinblick auf Emotionen nicht weiter beachten. Da wir es in unserem Training jedoch mit denkenden und fühlenden Lebewesen zu tun haben, spielen Emotionen eine grosse Rolle. Und so ist es wichtig, welche Gefühle wir mit unserem Verhalten auslösen!

Wir sehen, dass auf der grünen Seite viele positive Gefühle aufkommen, während auf der roten Seite Angst, Stress und Frustration vorherrschen.

Haben unsere Hunde nicht verdient, dass sich ihr Training gut anfühlt? Zumal wir wissen, dass die so gelernten Signale später auch gerne und freudig befolgt werden, weil der Hund keine Angst vor Strafen haben muss.

ABER AUCH POSITIVE UND NEGATIVE BELOHNUNGEN SIND NICHT GLEICHWERTIG

Während eine positive Belohnung IMMER gute Gefühle auslöst, ist die negative Belohnung ein zweischneidiges Schwert.
Damit diese Erleichterung bringen kann, muss das Unangenehme ja erst einmal vorhanden sein oder hinzugefügt werden. Dazu gehören u.a.

  • Schmerzen
  • Dinge die Angst machen
  • Druck (physisch und/oder psychisch)
  • Körperliche oder mentale Einschüchterung
  • vermeintliche oder echte Bedrohung (fremder Hund/Mensch…)
  • ….

In dem Moment sind aber auch alle damit empfundenen Gefühle akut vorhanden und werden erst durch das Entfernen oder die Distanz zum Auslösers beseitigt.

Natürlich können wir das Auftauchen von Unangenehmen im Alltag nicht immer verhindern.

Da ist es gut, dass es die negative Belohnung gibt. Denn damit können wir den Hund in der Situation unterstützen und gleichzeitig Verhalten und Emotionen verändern, indem wir zum Beispiel auf Distanz zum Auslöser gehen. Und parallel dazu den  Auslöser durch ein achtsames und durchdachtes Training mit guten Gefühlen verbinden.

Überfordern wir jedoch im Training unseren Hund, indem wir ihn bewusst und so lange unangenehmen Dingen aussetzen, bis er sich richtig verhält, dann ist dies nicht nur unfair, wir verhalten uns auch übergriffig gegenüber unserem Hund.

Zur Veranschaulichung hier einige Beispiele:

Sinnvoller Einsatz der negativen Belohnung:

  • Ein Dorn steckt in der Pfote deines Hundes (U).
    Er gibt dir die Pfote und du entfernst den Dorn (B-)
    .
  • Dein Hund fürchtet sich vor den Pferden auf der Koppel (U).
    Noch bevor er bellt, lauft ihr in einem Bogen daran vorbei (B-)
    .

  • Ein fremder Hund taucht auf (U).
    Bevor sich dein Hund aufregt, geht ihr auf die Wiese (B-) und du streust ihm Leckerchen  (B+)

Unfairer Einsatz der negativen Belohnung:

  • Du legst deine Hand mit leichtem Druck auf den Po deines Hundes (U).
    Dieser setzt sich und du nimmst den Druck weg (B-)
    .
  • Weil sich dein Hund nicht hinsetzt, machst du einen Schritt auf ihn zu (U).
    Er setzt sich und du gehst wieder einen Schritt zurück (B-)

(U) = Unangenehmes  (B-) = negative Belohnung

Daher, erziehe und bilde deinen Hund so aus, dass du dich wenn immer möglich, nur aus der Werkzeugkiste der positiven Verstärkung bedienen kannst. Dein Hund wird es dir durch eine vertrauensvolle und stressfreie Beziehung danken.

NICHT IMMER LÄUFT ALLES WIE GEPLANT

Nicht immer können wir Unangenehmes vermeiden. Aber wir können verhindern, dass wir selber oder unser Verhalten die Ursache für das Unangenehme sind.

Und für die Übrigen können wir Alternativverhalten aufbauen, welche sowohl Problemlöser als auch Verstärker für den Hund sind:

  • auf Distanz zum Auslöser gehen
  • Hilfe beim Besitzer suchen
  • am Boden schnüffeln statt den Menschen zu fixieren
  • Aufbau von Signalen, die ihn entspannen oder schnell aus der Situation führen

ES VERÄNDERT SICH NICHT 

Wenn sich ein Verhalten nicht in die gewünschte Richtung verändert, ist es vielleicht weil

  • dein Hund das Verhalten nicht oder noch nicht zu leisten vermag
  • dein Hund Schmerzen hat
  • du deinen Hund unbewusst für das unerwünschtes Verhalten belohnst
  • du deinen Hund unbewusst für das erwünschte Verhalten bestrafst
  • die gewählte Belohnung nicht zur Situation und Leistung passt
  • dein Trainingsansatz nicht der richtige ist

Deshalb arbeiten auch alle achtsam und fair trainierenden Hundehalter und Trainer mit so viel Verstärkung wie möglich, so wenig negativer Strafe wie nötig und verzichten auf jegliche Form von positiver Strafe. 

Dass die gleichen Mechanismen auch beim Menschen wirken, zeigt das nachfolgende Video „Konditionieren anhand von The big bang theory

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Weitere Informationen über Belohnungen und Strafen findest du unter den aufgeführten Links:

© 2016 – Teamschule – Monika Oberli
(Letzte Überarbeitung:  November 2020)

10 Gedanken zu “Die operante Konditionierung

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