Mobbing unter Hunden

Vermutlich hat jeder Hundehalter es schon mal erlebt, dass es zu Mobbing unter Hunden kam. Sei es beim zufälligen Aufeinandertreffen auf dem Spaziergang oder beim geplanten auf der Hundewiese bzw. in der Hundeschule. Je jünger oder unsicherer der Hund dabei ist, desto grösser können auch die Auswirkungen daraus sein. Selbst wenn es nur einmalig war. 

Deshalb schütze deinen Hund, damit er keine Mobbingerfahrungen macht, weder als Mobbing-Opfer noch als Mobber. Denn beides beeinflusst deinen Hund und kann zu Verhaltensveränderungen und Angstproblemen führen. 

Aber bevor wir uns nun mit dem Begriff „Mobbing“ und dessen Auswirkungen beschäftigen, hier erst einmal eine Abgrenzung zum Verfolgen aus jagdlicher Motivation. 

JAGEN, HETZEN oder MOBBEN
Eines gilt für alle Drei: Für den verfolgten Hund spielt es keine Rolle, aus welcher Motivation er vom anderen Hund verfolgt wird. Er fühlt sich gejagt und bangt im schlimmsten Fall um sein Leben. 

Um so wichtiger ist es jedoch, das Verhalten und die Motivation des Verfolgers richtig einzuschätzen. Nur dann lassen sich mögliche Situationen und Auslöser so früh erkennen, dass der Hund rechtzeitig angesprochen und im Zweifelsfall angeleint werden kann. Denn kein Hund hat es verdient, von einem anderen gejagt zu werden, aus welcher Motivation auch immer dies geschieht. 
Hinzu kommt ein ganz wesentlicher Punkt: egal ob ein Hund jagt, hetzt oder mobbt, alle drei Handlungen sind selbstbelohnend. Und je häufiger es dazu kommt, umso grösser ist das Risiko, dass er auch nach diesen Gelegenheiten sucht.   

JAGEN will Beute machen 
Das Jagen ist eine Verhaltenskette, welche aus den Elementen „Orten, Fixieren, Anpirschen, Hetzen, Packen, Töten und Fressen“ besteht. In seiner Ursprungsform ist die Jagd zielgerichtet und dient dem Nahrungserwerb. Es ist aber auch möglich, dass ein potenzieller Rivale oder Nahrungskonkurrent gejagt und gegebenenfalls getötet wird (eine Katze kann zum Beispiel Beute oder auch Nahrungskonkurrenz sein). 

Züchterisch bedingt zeigen nur noch wenige Hunde(rassen) sämtliche Sequenzen der Jagd. In erster Linie sind dies Terrier, Erdhunde, Windhundartige sowie Urhunde und Herdenschutzhunde.

Auch dient unseren Hunden das Jagen schon längst nicht mehr dem Nahrungserwerb. Deshalb ist das Beuteobjekt oft nicht nur ein Tier, sondern es kann auch ein x-beliebiger, sich bewegender Gegenstand sein. Ist sein Jagdobjekt jedoch ein anderer Hund, ein Kind, ein Auto oder ähnliches so spricht man von fehlgeleitetem Beutefangverhalten. 

Für den Verfolgten spielen diese Überlegungen jedoch keine Rolle. Er merkt nur, dass er gejagt wird! Und er  rechnet damit, dass er am Ende verletzt oder gar getötet wird, sollte er nicht entkommen. 

HETZEN setzt Glückshormone frei
Hetzen ist, wie wir oben gesehen haben, ein einzelner Teil innerhalb der Jagdkette. Dabei verfolgt der Hetzer die potentielle Beute so lange, bis diese entweder erschöpft aufgibt oder er selber aufgeben will/muss. Hier endet es dann bei den meisten Hunden. Denn an einem wirklichen Stellen oder Packen ist der hetzende Hund in der Regel nicht interessiert. Er möchte weder Beute machen, noch dass sein Spass endet.

Denn in seinem Körper wirkt gerade ein riesen Hormoncocktail, ausgelöst durch das Hetzen. Damit hat die Natur vorgesorgt, dass die Lust am Jagen nicht verloren geht, selbst wenn für eine lange Zeit keine Beute gemacht wird *. 
Für den Verfolgten macht dies jedoch keinen Unterschied. Er weiss ja nicht, dass er nur zum Spass gehetzt wird. Dies gilt übrigens auch für all die Tiere, die der Hund verfolgen darf, weil „Er ist ja doch zu langsam„.

Dieses Hetzen kann prinzipiell jeder Hund zeigen. Aber natürlich liegt es besonders den Hunden im Blut, die darauf selektiert wurden wie die Hütehundartigen aber auch jene mit den vollständigen Jagdsequenzen wie Terriern und Windhundartigen. 

* Dieser Kick ist auch dafür verantwortlich, dass ein Hund immer und immer wieder dem Ball nachhetzt oder Vögel jagt.

JAGDSPIELE machen Spass bis...
Innerhalb eines Spiels lässt sich auch oft beobachten, wie ein oder mehrere Hunde einen anderen verfolgen. Im Gegensatz zum ernsthaften Jagen haben hier aber alle Hunde Spass, die Bewegungen und Körper sind weich und locker und die Atmosphäre ist entspannt. Auch kann jeder mal Jäger oder Gejagter sein und das Spiel kann jederzeit von jedem Hund pausiert oder beendet werden (weitere Merkmale für ein gutes Spiel findest du in meinem Artikel Spielende Hunde). 

Und doch kann es passieren, dass ein Spiel kippt. Die Gefahr, dass es dazu kommt, ist umso grösser

  • je erregter die Hunde werden
  • je hektischer das Spiel wird
  • je ungleicher die Spielpartner sind (Spielart, Charakter, Grössenverhältnis…)
  • je mehr Hunde beteiligt sind
  • je mehr jagdliche Elemente im Spiel zu sehen sind 

Im Besten Fall bleibt es dann beim Hetzen und eventuell noch Bodychecks. Aus einem Jagdspiel kann aber auch eine echte Jagd werden und der Spielpartner die Beute. Das Ziel des Jägers ist nun tatsächlich den Gejagten zu packen. 

Dabei ist das Risiko für den gejagten Hund um so grösser, je kleiner er ist. Aber auch, ob das Zuchtziel des Verfolgers das Töten von Beute noch beinhaltet wie z.B. bei vielen Terriern, Windhundartigen, Urhunden und Herdenschutzhunden. Wobei letztere weniger oft in Spielsequenzen involviert sind. 

MOBBING gibt Macht über Andere
Und wie steht es nun mit dem Mobbing? Können Hunde tatsächlich zum Mobber werden? 

Schauen wir uns erst einmal den Ursprung des Begriffs an, welcher aus dem Englischen stammt. Dort bedeutet to mob: anpöbeln, angreifen und bedrängen. Und ja, dies können Hunde auch. 

Dabei handelt es ich in der Regel um ein Verhalten, das dem Hund Lust und vermeintliche Überlegenheit verspricht. Und das Opfer ist einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. 

Denn ein hündischer Mobber fixiert und attackiert in der Regel einfach einen x-beliebigen Hund, ohne dass dieser einen Grund dafür geliefert hat. Und sehr oft hat zwischen den Beiden vorgängig auch keinerlei Kommunikation stattgefunden.
Er sucht sich sein Opfer aber ganz bewusst aus. Meist ist es ein Hund, der Unsicherheiten oder sonstige Schwächen zeigt. Ganz häufig ist der Täterhund selbst auch ein eher unsicherer Hund, der sich nie mit einem selbstbewussten Hund anlegen würde. Oft war er früher sogar selbst Mobbingopfer und irgendwann hat er die Erfahrung gemacht, wie gut es sich anfühlt, selbst zu mobben.
Bei dieser Form des Mobbings ist die Gefahr dann auch gross, dass es zu echten Verletzungen kommt.

Mein jüngerer Aussie kam in den ersten zwei Jahren 4 oder 5 mal in den Fokus von solchen Hunden. Gottseidank rettete er sich jeweils zu mir, so dass ich den anderen Hund stoppen konnte. Es waren die selben Hunde, die Sekunden zuvor einen grossen Bogen um meinen ruhig stehenden, souveränen zweiten Hund gemacht haben. 

Eine weitere Form des Mobbings findet sich meist nur in festen oder zufällig zusammen gewürfelten Hundegruppen (dazu reichen schon 2 Hunde).In der Regel beginnt es damit, dass ein Hund einen anderen Hund verfolgt. Sei es aus reiner Neugier oder weil er ihn vertreiben möchte. Und plötzlich machen auch die anderen Gruppenmitglieder mit und hetzen den anderen Hund, ohne dass sie den eigentlichen Grund dafür kennen. Aber das Mithetzen macht Spass, ist ungefährlich und es ist immer gut, sich mit dem vermeintlich Stärkeren gut zu stellen und ihn zu unterstützen. Das kennen wir ja auch von menschlichen Mobbern. 
Beim Opfer kann es sich um einen fremden Hund handeln, der ihnen auf dem Spaziergang begegnet oder einer, der zum Beispiel auf dem Hundeplatz neu zur Gruppe stösst.

Aber auch innerhalb einer Gruppe kann es zum Mobbing kommen. Meist geschieht dies aus einem Spiel heraus, bei dem die Erregung steigt. Wird hier das „Spiel“ nicht beendet, kann es kippen und die ganze Meute hetzt hinter einem einzelnen Hund her. In der Regel wollen sie den anderen Hund dabei nicht verletzen. Aber im Eifer des Gefechts und dem hohen Stresslevel, kommt es häufig zu Remplern und zum Überrollen des anderen Hundes, was bei diesem zu Verletzungen führen kann. 

Das Opfer reagiert auf diese Angriffe verständlicherweise panisch. Denn keines seiner Signale wird nun noch beachtet und so bleibt ihm nur die Flucht. Dabei zieht er die Rute ein, jault, schnappt um sich und versucht so der wilden Jagd zu entkommen. Mit Glück rennt er zu seinem Besitzer, der ihm hoffentlich hilft. Es gibt aber auch Hunde, die einfach nur panisch flüchten (mein erster Hund rannte so über 5km und landete dabei mitten in der Stadt 😦 ) 

Und dann zähle ich auch den einzelnen Hund dazu, der die Stoppsignale eines anderen Hundes nicht akzeptiert, diesen anspringt, ihn überrollt, umstösst oder anderweitig bedrängt und auch nicht von ihm ablässt, wenn dieser wegläuft. Meist sieht man dies unter bekannten Hunden, wenn einer den anderen entweder zu einer Interaktion veranlassen oder weil er das vorherige Spiel nicht beenden möchte. Es gibt aber auch Hunde, die Spass daran haben, andere Hunde dadurch zu verunsichern.

Leider wird dieses Verhalten immer noch allzu oft als Spiel interpretiert. Und wenn sich das „Opfer“ dagegen wehrt indem er ihn abschnappt oder selber attackiert, wird ihm gerne unterstellt, er sei aggressiv.

Natürlich können diese Verhalten auch gemischt vorkommen oder ein Hund sich je nach Situation und Gegenüber ganz anders verhalten.

SO KANNST DU DEINEM UND DEN ANDEREN HUNDEN HELFEN
Lehre deinen Hund einen guten Umgang mit anderen Hunden und auch, dass er sich im Kontakt mit kleineren Hunden zurücknehmen muss. Wenn er dies (noch) nicht schafft, lass solche Begegnungen nicht ohne Leine zu. Nicht immer muss es ein direkter Kontakt sein, um sich kennenzulernen.
Und lass ihn mit netten und eher ruhigen Hunden die feinen Signale der Hundesprache lernen und selber anwenden. 

WICHTIG: Viele Mobberkarrieren beginnen in schlecht geführten Welpenstunden. 

Beobachte ein Spiel unter mehreren Hund gut und beende es nett, sobald du erste Merkmale für einen Anstieg der Erregung bemerkst. 

Hast du einen jagenden Hund, so gibt es gute Jagdersatz-Möglichkeiten, um nicht gegen sondern mit seinen Bedürfnissen zu arbeiten. 

Schütze deinen Hund bei Hundebegegnungen, so dass ihn Niemand zum Opfer machen kann. Und lass lieber eine gute Begegnung weniger zu als eine schlechte zu viel.

Wenn du merkst, dass dein Hund öfters Opfer wird, schau, dass du solche Begegnungen vermeiden kannst. Denn es fühlt sich für deinen Hund nicht nur schlimm an, es besteht auch immer die Gefahr, dass er aufgrund der Lernerfahrung selber zum Täter wird, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Sucht euch aber  Hundehalter mit netten und entspannten Hunde für ruhige Einzelspaziergänge. So kann dein Hund  gute Lernerfahrungen machen. Stärke gleichzeitig sein Selbstbewusstsein, indem du ihm Aufgaben gibst, die er erfolgreich lösen kann. 

Hast du hingegen einen Hund, der zum Mobben neigt, dann unterbrich sein Verhalten rechtzeitig und nett. Und biete ihm stattdessen gute Alternativverhalten an, auf die er mit der Zeit selbständig zugreifen kann. Denn oft haben diese Hunde einfach nur gelernt, Angriff ist die beste Verteidigung, um nicht selbst zum Opfer zu werden. Und im schlimmsten Fall finden sie sogar Gefallen daran, anderen Angst zu machen.

Sichere deinen Hund immer dann mit der Leine, wenn du nicht sicher bist, wie die Hundebegegnung ausgehen könnte. Unabhängig davon, ob der Hund Täter oder Opfer wäre. Den einen hinderst du dadurch am Verhalten und dem anderen kannst du nur helfen, wenn er in deiner Nähe ist.
Wie oft habe ich erlebt, dass Hundehalter ihre Hunde bei Hundebegegnungen ableinen, damit sie im Fall eines Falles wegrennen können. Sie realisieren dabei nicht, dass sie ihn damit im Stich lassen und wie schlimm sich dieses Flüchten für ihn anfühlt.  

Und ein weiterer wichtiger Punkt: Lass deinen Hund nicht immer und immer wieder Bällen nachhetzen. Das ist weder gesund noch eine sinnvolle Beschäftigung. Lehre ihn aber auch, dass er sich für Bälle von Kindern oder anderen Hunden nicht zu interessieren braucht. 

All diese genannten Punkte kann man seinem Hund fair und ohne Zwang beibringen. Wenn du möchtest, zeige ich dir gerne, wie dies geht. 



(c) 2020 – Monika Oberli, TeamSchule.ch

Ein Gedanke zu “Mobbing unter Hunden

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