Die klassische Konditionierung – dein Freund und Helfer

Bestimmt ist dir der Begriff „Klassische Konditionierung“ auch schon begegnet. Und vielleicht fragst du dich nun, was dies mit Hundetraining zu tun hat. Ganz viel, wie du gleich sehen wirst. 

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Aber bevor wir uns anschauen, weshalb dies so ist, hier erst einmal die Definition dazu:

Unter der klassischen Konditionierung versteht man in der Lerntheorie die Verknüpfung eines ursprünglich neutralen Reizes mit einer vorhersagbaren Reaktion, so dass später auf diesen Reiz immer das Erwartete eintritt (du hörst im Lift die Glocke (Reiz) und weisst, dass sich nun gleich die Lifttüre öffnen wird (Reaktion) / etwas fliegt auf dein Auge zu (Reiz) und du schliesst das Auge reflexartig (Reaktion).
* neutral = ohne Bedeutung

Aber was hat dies nun mit Hundetraining zu tun?

Kunststück

Egal, ob du Sitz, Komm, Männchen oder Honolulu sagst, keines von diesen Wörtern hätte für deinen Hund eine Bedeutung, hättest du sie in eurem Training nicht mit bestimmten von dir erwünschten Verhalten verbunden.

Und damit sind wir auch schon bei der Konditionierung (=Verknüpfung) und im speziellen der klassischen Konditionierung.

Denn wie es auch für uns einfacher ist, beim Erlernen einer Fremdsprache erst die  fremden Wörter mit den uns vertrauten Begriffen zu verknüpfen ( (laugh = lachen, walk = gehen…) bevor wir anspruchsvolle Texte lesen, so fällt es auch unseren Hunden leichter, wenn sie unsere Signale erst einmal unabhängig vom späteren Kontext kennenlernen dürfen.

Dann fällt es ihnen auch leichter die Signale mit dem erwünschten Verhalten zu verknüpfen (dies gilt natürlich nur bei Verhaltensweisen, welche keine komplexen Ausführungen beinhalten – mögliche Beispiel findest du weiter unten).

Die Klassische Konditionierung im Einsatz

Wer mit einem Clicker oder einem Markerwort arbeitet, der ist der Klassischen Konditionierung auf jeden Fall schon begegnet. Denn beide wurden nach dem Prinzip der klassischen Konditionierung aufgebaut:  Click – Keks – Click – Keks…

Der unbedeutende Reiz (Click) wird hier zum Ankündiger einer kommenden Belohnung. So ähnlich wie dein Hund weiss, wenn du seine Leine nimmst, geht es auf den Spaziergang.

Der Marker ist aber nur eines von vielen Beispielen für den hilfreichen Einsatz der KK. Nachfolgend eine weitere Auswahl von Signalen, bei deren Aufbau die Klassische Konditionierung eine grosse Hilfe ist:

  • Beim  Rückrufsignal
  • Beim Ankersignal
  • Beim Aufmerksamkeitssignal
  • Beim Ausspucksignal
  • Bei Belohnungsankündigern
  • Beim Entspannungswort
  • Beim Auffrischen von Signalen

Also immer dort, wo du deinem Hund ein neues Wort vertraut machen oder ein bestehendes auffrischen und mit vielen guten Emotionen belegen möchtest. Dabei gehst du genau gleich vor wie beim Aufbau des Markerwortes/Clickers

Dein neues Signal – Keks – dein neues Signal – Keks…*

Du kannst die Kekse ganz unterschiedlich geben: mal direkt ins Maul, mal geworfen, mal nur einer, mal ganz viele….
* Auch wenn ich zu Beginn eines Trainings gerne Kekse verwende, kann natürlich alles genutzt werden, was für den Hund in dem Moment eine Belohnung darstellt.

Die klassische Konditionierung begegnet dir aber auch beim Aufbau von diversen Werkzeugen aus der positiven Werkzeugkiste wie zum Beispiel

  • Bei der Gegenkonditionierung,
    (wenn etwas Unschönes eine neue, positive Bedeutung bekommen soll)
  • Beim Geschirrgriff
  • Beim Medical Training

Und natürlich können damit auch aversive, das heisst auf Strafe basierende Reize erfolgreich aufgebaut werden. Da dies aber nicht mein Trainingsweg ist, gehe ich nicht näher darauf ein. Nur so viel: Das „Gssssch“ eines bekannten Hundetrainers wird genau nach diesem Prinzip verknüpft und hat nichts mit Magie, Energie oder sonstigen Fähigkeiten zu tun.

Welchen Nutzen ergibt sich daraus für euer Training?

  1. Bei der klassischen Konditionierung wird mit einer hohen Belohnungsrate gearbeitet. Was wiederum bedeutet, dass das damit verbundene Signal mit einer hohen positiven Emotion belegt ist. 
    .
  2. Durch die hohe Wiederholungsrate erfolgt schnell eine Speicherung im Kleinhirn,  welches für das mehr oder weniger automatisierte Ausführen von Bewegungsabläufen zuständig ist. Dadurch muss der Hund sich später nicht mehr überlegen, ob er nun dem Signal folgen oder doch lieber was anderes machen soll.
    So wie wir beim Autofahren auch nicht mehr überlegen müssen, mit welchem Fuss wir Bremse, Kupplung und Gas bedienen.
    .
  3. Da du erst einmal ohne Ablenkung arbeitest, steht dein Signal in keiner Konkurrenz zur Anderem und du kannst mit einer fast 100% Sicherheit voraussagen, was dein Hund nach dem Verhalten tun wird. Nämlich dorthin seine Aufmerksamkeit lenken, wo er seine Belohnung erwartet.
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  4. Und genauso wichtig: Beginnst du den Aufbau Zuhause in vertrauter Umgebung und wenig Ablenkung, so wird sich dein Hund ganz auf das neue Signal konzentrieren können und schneller verstehen, was damit gemeint ist.

Ein Beispiel dazu aus dem Rückruftraining:
Hört dein Hund Zuhause dein „Hierher“ und sieht dabei ein Leckerchen hinter dich fliegen, wird er schnell verstehen, dass es sich lohnt,  bei diesem Signal möglichst schnell zu dir zu laufen.

Beginnst du das Rückruftraining jedoch dort, wo das Umfeld spannend ist, so stehst du in Konkurrenz diesem. Im schlimmsten Fall bringst du deinen Hund nicht nur in einen Konflikt zwischen deinem Signal und einer Ablenkung, sondern er lernt auch noch eine falsche Verknüpfung: Dann heisst dein „Hierher“ – lauf erst noch zum anderen Hund bevor du zu Frauchen oder Herrchen gehst.

 


Beachte: Es handelt sich dabei um die ersten Schritte im Training. Für die weiteren Schritte, musst du in fast allen Fällen von der klassischen auf die operante Konditionierung wechseln, sobald der Hund das Signal verstanden hat. Und darfst dabei im Verlaufe des weiteren Trainings auch die *Drei D“ nicht vergessen.

Wenn du dazu auf ein möglichst fehlerfreies Training achtest, wird der Hund auch keine andere Variante zum erwünschten Verhalten lernen. Und dieses somit mit grosser Zuverlässigkeit ausführen.


Probier es doch gleich mal aus! Und du wirst sehen, wie viel Spass die klassische Konditionierung macht. Und bestimmt kommen dir mit der Zeit noch ganz viele andere Anwendungsgebiete in den Sinn.

Gerne darfst du auch hier oder auf meiner Facebookseite darüber berichten.

 

Die Klassische Konditionierung. Auch wenn du sie nicht suchst, sitzt sie permanent auf deiner Schulter. Weshalb dann nicht gleich zum eigenen Vorteil nutzen.


 

Weitere Artikel zur Lerntheorie und zur klassischen und operanten Konditionierung findest du unter diesem Link


© 2019 –  Teamschule – Monika Oberli

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