Hochspringen beim Begrüssen

…nicht erwünscht. Aber statt eines „Nein“, sag deinem Hund lieber, was er stattdessen tun soll!

Hochstehen.jpg
Wer kennt das nicht:

Du kommst nach Hause und dein Welpe springt dich freudig an. Und Draussen würde am liebsten an jedem Hochstehen mit dem du dich unterhältst.

Dass du dies nicht möchtest, ist verständlich.

Aber obwohl du ihm immer wieder sagst, dass er das nicht machen soll, hört er damit nicht auf.

Weshalb das so ist und wie du deinen Wunsch deinem Hund verständlich machen kannst, zeige ich dir in diesem Artikel.

Hochspringen – ein natürliches Verhalten

Seinen Ursprung findet dieses Verhalten im Futterbetteln der Welpen.
Durch Lecken und Stupsen der Maulwinkel animieren sie die heimkehrenden Alttiere zum Hervorwürgen der mitgebrachten Nahrung.

Später findet sich dieses Verhalten in leicht abgewandelter Form zum Beispiel bei der Kontaktaufnahme unter Hunden. Ferner tritt es auch als Beschwichtigungssignal auf, um das Gegenüber freundlich zu stimmen.

Und auf die gleiche Art versuchen sie auch uns zu begrüssen. Weil aber unsere Mundwinkel so weit oben sind, gelingt ihnen dies nur, wenn sie an uns hochstehen.

Natürlich ist man versucht, dieses Verhalten zu unterbinden. Erst recht, wenn der Hund dazu noch schmutzige Pfoten hat.

Unsere Hunde aber können nicht verstehen, weshalb wir auf ihre Begrüssung so ablehnend reagieren. Das verunsichert sie und sie erhöhen ihre Anstrengungen, uns durch ein Maulwinkel-Lecken nun zusätzlich zu besänftigen.

Und wir sagen nun erst recht „bleib  unten“ und setzen seine Pfoten wieder auf den Boden….dein Hund versteht nur Bahnhof.

Wie machst du’s besser?

Ein möglicher Ansatz ist es, deinen Hund jedes Mal zu markern und belohnen, bevor er an dir hochspringt. Das heisst, solange er noch mit allen 4 Pfoten auf dem Boden steht, sagst du dein Markerwort und gibst ihm einen Keks. Nach x-Wiederholungen wird er zu verstehen beginnen, dass es sich lohnt, unten zu bleiben.

Schneller jedoch geht es, wenn du dich der klassischen Konditionierung bedienst.

Bestimmt hast du auch schon gehört, dass du eine Handlung erst benennen darfst (wie z.B. Sitz), wenn dein Hund weiss, was er darauf hin tun soll. Das stimmt für sämtliche Lernprozesse, die mittels operanter Konditionierung aufgebaut werden. Bei diesem Aufbau muss der Hund erst ein bestimmtes Verhalten zeigen, bevor er belohnt wird.

Bei der klassischen Konditionierung hingegen, sagst du erst das Wort und „lockst“ deinen Hund direkt anschliessend in das erwünschte Verhalten.

Nutze dafür du einen neutralen Reiz (in diesem Fall das Signalwort „Unten“ *) und gib deinem Hund direkt anschliessend einen Keks auf den Boden vor dir. * oder ein anderes von dir gewähltes Signal wie Runter, Unten bleiben…

Nach wenigen Wiederholungen wird sich dein Hund bereits beim Erklingen des Wortes auf den Boden konzentrieren, da er dort seinen Keks erwartet. Dies kannst du markern und den Keks wieder auf den Boden legen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob er steht, sich hinlegt, sitzt oder in die Luft springt. Wichtig ist nur, dass er nicht an dir hochspringt.

Sobald es so weit ist, beginnst du, den Schwierigkeitsgrad langsam zu erhöhen.

Über diesen Aufbau versteht dein Hund nicht nur schneller was er tun soll, du hast erst noch ein Signalwort aufgebaut, mit dem du ihm später beim Begrüssen sagen kannst „Bleib unten“.

Beim Training in höherer Ablenkung und mit einem höheren Erregungslevel streust du ihm nach dem Signalwort gleich eine Handvoll Leckerchen auf den Boden. Während des Schnüffelns senkt sich sein Erregungslevel und er ist danach in der Lage dich oder die andere Person ruhig zu begrüssen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten

Nach entsprechendem Training kannst du es auch nutzen, wenn er auf einen fremden Menschen zu geht.

Und weil es in der Vergangenheit immer Kekse dafür gab, wird er diesem auch gerne nachkommen, wenn du gerade keinen Keks zur Hand hast.

Wenn du nun deinem Hund nun auch noch beibringst, dass er auf ein bestimmtes Signalwort an dir Hochstehen darf, fällt ihm das Unten bleiben noch einmal leichter.

Das ganze klappt übrigens auch bei Anspringen aus Stress oder bei Anremplern.

Exkurs: Durch die Klassische Konditionierung mit ihrer hohen, hier positiven, Konsequenz, wird das Gelernte im Kleinhirn abgespeichert. Und Alles was im Kleinhirn abgespeichert ist, wird wie automatisiert ausgeführt, da es den Denkprozess des Grosshirns umgeht. Denk nur mal ans Autofahren, da musst du dir irgendwann auch nicht mehr überlegen wo sich Gas und Bremse befinden.

Nutz die klassische Konditionierung 

Diese Art der klassischen Konditionierung kannst du übrigens für viele Trainingsprozesse mit deinem Hund nutzen, bei denen du ihm ein bestimmtes Verhalten auf Signal beibringen möchtest. So zum Beispiel …

  • beim Aufbau des neben dir Laufens
  • beim Aufbau des Rückrufs

Überleg dir, bei welchen der von dir gewünschten Verhaltensweisen, du für den Start auch noch die klassische Konditionierung nutzen könntest und beginne am Besten gleich damit 🙂

© 2019  – Teamschule – Monika Oberli

 

 

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Ein Gedanke zu “Hochspringen beim Begrüssen

  1. Super, danke für die Erklärung!

    Kannst du evtl. auch noch sagen, wie reagieren wenn das Management versagt hat und es bereits so weit gekommen ist, dass der Hund hochspringt (und nicht aufhört) …

    Hier passiert das oft bei „fremden“ Menschen, die immer wieder über unseren Platz gehen (lässt sich nicht vermeiden – leider :(, sonst wäre es ja nicht s doof…). Die sagen unserer jungen Hündin (6 Monate) dann freudig „Hallo“, sie springt hoch und wird noch weiter gestreichelt :-S Voll doof und ich versuche natürlich das abzufangen, was aber nur in 7 von 10 Fällen klappt… Zudem „beisst, knabbert“ sie dazu dann auch noch an den Fingern… aus Überreiztheit natürlich und nicht böswillig…

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