Sei achtsam auf das Gute

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Neue Kunden schauen mich oft ganz erstaunt an, wenn sie ihren Hund für ein Verhalten loben sollen, obwohl dieses doch noch  gar nicht dem Gewünschten entspricht.

Bis anhin haben sie ihren Hund nämlich immer nur gelobt, wenn sie das Verhalten gesehen haben, welches ihrem Bild im Kopf entsprochen hat. Dabei haben sie vollkommen übersehen, dass  ihr Hund bis dahin schon ganz viele gute Verhaltensweisen gezeigt hat, die eine Belohnung verdient hätten.

Sobald sie aber erleben, wie schnell sich dadurch das Benehmen ihres Hundes positiv verändert, schlägt ihr Staunen in Begeisterung um.

Vor jedem unerwünschten Verhalten findet sich immer ein erwünschtes –
nimm es wahr und bestätige deinen Hund dafür.  

Nehmen wir zum Beispiel den Hund, der bellt und in die Leine steigt, sobald sich ihm ein anderer Hund nähert.

Bevor der Hund diese unerwünschten Verhalten zeigt, hat er schon ganz viel anderes gemacht

  • er schaut den anderen Hund an
  • er lässt die Leine locker
  • er steht auf 4 Pfoten
  • er ist ruhig
  • er schaut seinen Besitzer an
  • er zeigt Calming Signals
  • ….

Sicher. Vieles davon dauert vielleicht nur einen Sekundenbruchteil. Aber trotzdem diese Verhalten sind da und dein Hund kann dafür belohnt werden.

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Bei jedem Verhalten ist der Anteil des guten so viel grösser als das des unerwünschten. Lerne daher den Blick auf das Gute zu schärfen statt dich durch das Schlechte vereinnahmen zu lassen.

Merke: Bestätige (=loben/markern)  JEDES Verhalten solange er ein gutes zeigt.
Reagiere dafür so wenig wie möglich, wenn er etwas Unerwünschtes* macht – ausser du kannst deinem Hund ein gutes Alternativverhalten anbieten und er braucht es auch.
*Achtung: selbstbelohnendes Verhalten sollte man nach Möglichkeit immer positiv beenden.

Ändere deinen Fokus
Achtet sich der Besitzer neu darauf, all die guten Verhaltensanteile zu sehen statt wie bis anhin vor allem die schlechten, wird sich nicht nur der Hund besser fühlen sondern auch der Mensch. Denn durch den Blick auf das Positive feiert auch der Mensch viele kleine Erfolge.

Erhält der Hund dann auch noch viel Lob und die passende Belohnung dazu, wird er diese belohnte Verhalten immer häufiger zeigen. Und nach und nach bekommen die Begegnungen mit anderen Hunden ein neues Gesicht…der Hund freut sich diese zu sehen, denn er kann sich dadurch ganz viel Gutes verdienen.

Daneben gilt es natürlich auch, die Trainingssituationen so zu gestalten, dass der Hund es leichter hat, die neuen Verhaltensweisen zu zeigen und erst noch länger.

Denn was beim Aufbau von neuen Tricks wie ein Sitz oder Platz gilt, muss erst recht bei einer Verhaltensveränderungen beachtet werden:

  • Beginne in einfachen Situationen
  • Trainiere in kleinen Schritten und mit wenigen gleichartigen Wiederholungen
  • Sorge für ein möglichst fehlerfreies Training
  • Steigere die Anforderungen langsam
  • Lobe und bestätige deinen Hund auch in Situationen, wo er sich gut verhält
    (z.B.  Hundebegegnungen, bei denen er normalerweise nicht auslöst) *
  • und setze deinen Hund erst dann der schwierigsten Situation aus, wenn er sie gut bewältigen kann und er gelernt hat, sich auf deine Unterstützung zu verlassen

* genau in diesen stressfreien Situationen lernt dein Hund am Meisten. Siehe auch „Eine Verhaltensveränderungen findet nur statt…“

Durch geeignete Management-Massnahmen sorgst du ausserdem dafür, dass ihr die Situationen überbrückt, die ihr noch nicht bewältigen könnt.

Eine Verhaltensveränderung findet nur statt… 
…wenn sich das neue Verhalten mehr lohnt als das bestehende.

Willst du ein belastendes Verhalten verändern, so ist es wichtig, dass du alle Zwischenschritte hoch belohnst, erscheinen sie dir noch so klein und einfach. Denn im Gegensatz zu einer neu zu erlernenden Aufgabe, muss der Hund hier nämlich erst ein altes Verhalten verlernen bzw. eine bestehende Situation neu bewerten und das ist viel schwieriger.

Und nur wenn die Belohnung richtig gut ausfällt, wird er dir glauben, dass er auch beim nächsten, schwierigeren Schritt wieder eine super Belohnung bekommt. Nicht vergessen werden darf, dass sich die Freude über die Belohnung auch auf die Situation übertragen wird und dein Hund weniger schnell in alte Verhaltensmuster zurückfällt.

Ich will dir das anhand des folgenden Beispiels verdeutlichen.

Stell dir ein Haus vor mit Parterre, Keller und 1. Stock.

Das unerwünschte Verhalten findet immer statt, wenn dein Hund im Keller ist. Im Parterre siehst du alle erwünschten Verhaltensweisen deines Hundes und im ersten Stock ist dein Hund so hoch motiviert, dass er am liebsten immer das neu gelernte Verhalten in Bestform anbieten will.

Ist dein Hund im Keller und belohnst du nun sein Verhalten immer nur so gut, dass er es bis ins Parterre schafft, wird er bei jedem Rückschritt – und die wird es zwangsläufig geben – immer wieder im Keller landen. Hat er jedoch dank der super Belohnung den 1. Stock erreicht, fällt er mit einem gut durchdachten Training höchstens bis ins Parterre und kommt gar nicht mehr dazu, das alte Verhalten weiter zu üben.

Ist dann dein Hund so weit, dass er unbedingt das supersuper Verhalten zeigen will, um die super Belohnung zu bekommen, kannst du beginnen die Belohnungshäufigkeit und -qualität langsam zu reduzieren, so dass Hundebegegnungen (oder was immer ihr verändern wolltet) ganz normal werden und ihr euch gefahrlos im Parterre, dem Normalverhalten, aufhalten könnt.

Genau aus diesem Grund ist es wichtig, um beim obigen Beispiel zu bleiben, den Hund auch dann für ruhiges Verhalten zu belohnen, wenn es eine Begegnung ist, bei der er normalerweise nicht auslöst. Und nicht erst auf den Hund zu warten, bei dem er reagiert. Denn so lernt er viel schneller wie toll fremde Hunde sind. Hinzu kommt, dass wir gerade am Anfang meistens gar nicht immer wissen, auf welche Hunde er reagieren wird und sind dann meist zu spät.

Was ist eine super Belohnung für deinen Hund?

Dies hängt einerseits von jeweiligen Hund ab, aber auch, was er mit seinem  Verhalten erreichen will. Einige Ideen für Belohnungen und deren möglichen Gewichtung findest du hier „Die Belohnungshierarchie deines Hundes

Und ganz wichtig, freu dich riesig und vor allem echt über jeden noch so kleinen Erfolg deines Hundes. Denn dies wird ihn so stolz machen, dass er das Verhalten gerne wiederholt.

***

Und auch, wenn du Nichts hast, das du verändern möchtest, richte deinen Blick zwischendurch doch immer mal wieder auf all das, was dein Hund gut macht und lob ihn öfters dafür.

Und du wirst erleben, wie gut es dir und deinem Hund damit geht.

(c) 2017 TeamSchule – Monika Oberli

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2 Gedanken zu “Sei achtsam auf das Gute

  1. Hallo Monika eine tolle Seite hast du mit interessanten Beiträgen, schön das ich dich gefunden habe. Weiter so 🙂 Besuch mich doch mal aktuell hab ich auch einen Beitrag zum Thema Hund geschrieben LG Mission mom

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  2. Pingback: Ohne Strafe – geht das? – schneehund

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