Strafen im Hundetraining

timimgAls Basis empfiehlt sich, den Artikel „Lerntheorie – Belohnung und Strafen…“ vorgängig zu lesen

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Durch Strafen soll der Hund dazu gebracht werden, ein unerwünschtes Verhalten weniger oder gar nicht mehr zu zeigen bzw. ein gewünschtes schneller oder besser auszuführen.

Wie bei den Belohnungen unterscheidet man somit auch bei den Strafen zwischen einer (mathematisch gesehen) positiven und negativen Anwendung,

Die positive Strafe

Die positive Strafe wird auch beängstigende oder schmerzende Strafe genannt, da sie etwas für den Hund Unangenehmes oder Beängstigendes hinzufügt wie

  • Körperliches (Leinenrupfs, Anrempeln, Bedrängen,  drohende Körperhaltung, Zwicken, Bewerfen … )
  • Geräusche (Zischen, Rütteldosen, Discscheiben, Anschreien…)
  • Soziale (Aussperren, Trennung…)
  • ….

Aber kein Lebewesen hat es verdient, dass man so mit ihm umgeht. Hinzu kommt, dass der Hund damit weder lernt, was er stattdessen tun soll, noch weiss er , wofür er genau bestraft wurde.

Denn kaum ein Besitzer ist in der Lage, die Strafe so anzuwenden, dass sie in jedem Fall allen Regeln der Lerntheorie entspricht.

Damit Strafe wirkt, müssen IMMER und JEDESMAL die folgenden Regeln eingehalten werden: 

  • sie muss unmittelbar in dem Moment in dem das unerwünschte Verhalten gezeigt wird (besser noch unmittelbar davor) erfolgen
  • sie muss in der richtigen Stärke (nicht zu hart und nicht zu sanft) erfolgen
  • sie muss punktgenau (Timing) erfolgen
  • sie muss ohne positive Verstärkung (Belohnung) nach der Strafe erfolgen
  • sie muss mit vorheriger Ankündigung erfolgen, damit der Hund auch die Chance sie zu vermeiden

Und sie muss sofort wieder aufgelöst werden, wenn der Hund sich richtig verhält (kein Nachtragen, das kennen Hunde nicht)

Ein Ding der Unmöglichkeit!

Die positive Strafe wird ganz oft auch unbewusst angewandt!

Auch wenn man sich nicht immer darüber bewusst ist, kaum Jemand kann von sich behaupten, dass er die positive Strafe noch nie angewandt hat

  • du rufst deinen Hund zu dir. Da er nicht gleich beim ersten Rufen kommt, wirst du ärgerlich, zeigst dies auch deutlich durch deine Körpersprache und Stimme und nimmst ihn zur Strafe auch gleich an die Leine
  • Dein Hund bellt dich mitten in einem Gespräch an, weil ihn etwas beunruhigt. Du meinst, er bellt dich einfach aus Langeweile an und schimpfst ihn aus
  • Ein fremder Hund biegt unmittelbar vor euch in die Strasse ein. Vor lauter Schreck, nimmst du die Leine kürzer und ziehst deinen Hund zu dir
  •  Dein Hund setzt sich nicht gleich beim ersten Kommando hin. Deshalb machst du einen Schritt auf ihn zu…und siehe da, er setzt sich. Von nun an machst du immer schon beim Signal geben, einen Schritt auf ihn zu
  • ….

Die negative Strafe

Die negative Strafe wird auch frustrierende Strafe genannt, weil sie etwas Wünschenswertes entfernt oder vorenthält.

Auch diese Form der Strafe wird sehr oft unbewusst angewandt:

  • Dein Hund führt eine Übung nicht wie erwartet aus, deshalb versorgst du das Leckerchen wieder
  • Du rufst deinen Hund aus dem Spiel ab. Er kommt langsamer als erwartet, deshalb darf er nicht mehr zurück zum Spiel
  • Du lockst deinen Hund mit einem Leckerchen über ein Hindernis. Jedes Mal wenn er es fast erreicht hat, ziehst du es vor seiner Nase weg, damit er weiter läuft
  • Dein Hund bellt dich mitten in einem Gespräch an, weil ein fremder Hund ihn fixiert. Du meinst, er belle dich aus Langeweile an und drehst dich weg
  • Dein sonst sehr hibbeliger Hund sitzt seit 1 Minute ruhig neben dir, aber du beachtest ihn keinen Moment
  • ….

Wichtige Punkte, die bei der Verwendung von negativen Strafen beachtet werden müssen

Eine negative Strafe kann nur funktionieren, wenn wir den Hund bereits gelehrt haben, was er stattdessen tun soll:

  • Hinsetzen statt hochspringen
  • Handtouch statt anbellen
  • Ball holen statt Besucher verbellen
  • ….

Kennt er keine Alternative, kann es sein, dass er aus lauter Frust das unerwünschte Verhalten verstärkt zeigt oder gar auf andere unerwünschte Verhalten ausweicht.

Generelle Gefahren von Strafen

  • Strafe ändert nicht die Emotion und Motivation des Hundes
  • ein gelerntes Verhalten wird nicht verlernt, sondern nur unterdrückt
  • der Hund zeigt danach evt. ein anderes unerwünschtes Verhalten
    (er knurrt andere Hunde an, er reagiert stärker auf Wildspuren)
  • Strafen hemmen Verhalten – auch erwünschte
  • eine Gewöhnung ist schwer zu vermeiden
    (und dann muss die Strafe immer stärker ausfallen, damit sie noch wirkt)
  • die Gefahr ist gross, dass der Hund von Fehlverknüpfungen macht
    (im Moment der Strafe sieht er ein Kind und glaubt, dieses sei Schuld )
  • Strafen kommen immer zu spät – der Hund hat das Verhalten schon ausgeführt
  • Strafen führen zu Angst, Stress, Frust und Aggression
  • Strafen können zu Beziehungskillern werden

Und eine weitere grosse Gefahr: Der Mensch belohnt sich mit jedem Strafreiz selbst, da der Hund zumindest kurzfristig mit seinem augenblicklichen Verhalten aufhört. Und was belohnt wird, wird auch beim Menschen öfters gezeigt. 

Dies alles sind Gründe, weshalb die positive Strafe gar nicht und die negative Strafe nur in gezielt und bewusst angewandt werden dürfen.

Generell sollte der Hund jedoch so ausgebildet werden, dass er die gewünschten Verhalten über Belohnungen lernen darf. Das bedeutet aber auch, dass man sich als Mensch Gedanken über das Training, den Trainingsweg und das Wesen seines Hundes macht.

Denn Gewalt und Strafen fangen dort an, wo Wissen und Können des Menschen aufhören. Genauso wenig sinnvoll ist es aber auch „den Hund einfach mal machen zu lassen“. 

Denn wenn man ein Lebewesen aufnimmt, heisst dies auch, Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen. Das heisst, ihm auch zu zeigen, was wir von ihm erwarten…und dies nicht über Strafen.

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