Lerntheorie – Belohnungen und Strafen

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Strafen und Belohnungen wirken immer! Dabei spielt es keine Rolle nach welcher Philosophie das Training aufgebaut ist.

Denn ob bewusst oder unbewusst eingesetzt, haben diese Einfluss auf das gezeigte Verhalten eines Lebewesens. Dies gilt auch für unsere Hunde

  • Belohnungen führen dazu, dass er ein Verhalten öfters zeigt – erwünschtes und unwerwünschtes
  • Strafen führen dazu, dass er ein Verhalten gar nicht oder weniger oft zeigt – unerwünschtes und erwünschtes

ABER…wie sich der Hund und du selbst dabei fühlen, kann unterschiedlicher nicht sein: 

Belohnungen im Training…

  • verstärken das Auftreten von erwünschtem Verhalten
  • basieren auf Kooperation und Respekt
  • zeigen Hunden, was sie tun sollen
  • lernen Hunde Alternativen, bei denen das Unerwünschte nicht möglich ist
    (ein Hund, der frisst, kann nicht gleichzeitig einen anderen Hund verbellen)
  • vermitteln dem Hund Leitplanken, innerhalb derer er sich frei bewegen darf
  • stärken Hunde in ihrem Selbstbewusstsein
  • legen die eigene Wahrnehmung auf das Positive
  • tragen zu einer positiven Beziehung und Bindungen bei
  • führen zu freudigen Hunden, die gerne mit ihren Menschen zusammen sind
  • verzeihen auch Fehler
  • müssen nach der Lernphase nicht permanent angewandt werden
  • wirken belohnend auf den Belohnenden UND den Empfänger

Strafen im Training (inbesondere die positiven)…

  • blockieren unerwünschtes Verhalten
  • arbeiten über Vermeiden und Verunsicherung
  • sagen Hunden, was sie nicht machen dürfen
  • zeigen keine Alternativen auf, die Hunde müssen diese über „try und error“ suchen
  • lehren Hunde, dass Grenzüberschreitungen unangenehm sind
  • führen zu unselbständigen Hunden
  • richten das eigene Augenmerk auf das Negative
  • wirken sich negativ auf die Beziehung aus und führen zu einer unsicherer Bindung
  • nehmen dem Hund die Freude am gemeinsamen Tun
  • sind fehleranfälliger und
  • müssen IMMER angewandt werden (eine ausgelassene Strafe wirkt als Belohnung)
  • wirken selbstbelohnend auf den Strafenden

Sowohl Strafe als auch Belohnung sind Bestandteil der operanten Konditionierung.

Die gleichen Prinzipien funktionieren übrigens auch bei uns!

Konditionierung

Die bekanntesten Lernformen sind:

  • Die klassische Konditionierung
    Bei der klassischen Konditionierung wird ein bis anhin neutraler Reiz (Geräusch, Geruch, Handzeichen, Wort…) so aufgebaut, dass immer wenn der Reiz in Erscheinung tritt, das mit dem Reiz gekoppelte Verhalten ausgelöst wird:
    Es gilt also: erst erscheint der Reiz, dann erfolgt das Verhalten: 

    • das Auftauchen eines Hundes lässt den eigenen Hund in die Leine steigen
    • bei der Futtervorbereitung läuft dem Hund der Speichel im Maul zusammen
    • Bei einem Luftstoss schliessen wir die Augen
    • Klingelt es an der Haustüre, rennt der Hund an die Türe
    • Klingelt das Handy, greifen wir danach

Handelt es sich um ungelernte oft unbewusste Verhalten bleiben diese auch ohne Training bestehen. Lediglich die Reiz-Reaktion-Koppelung löst sich mit der Zeit auf.

Neues Verhalten vermittelt die klassische Konditionierung jedoch nicht. Dafür braucht es

  • Die operante Konditionierung
    Bei der operanten Konditionierung lernt ein Lebewesen ein Verhalten bewusst anzuwenden, um sich dadurch eine Belohnung zu erarbeiten oder eine Strafe zu vermeiden. Es ist somit von sich aus aktiv, um eine Reaktion der Umwelt herbeizuführen oder zu vermeiden.
    Es gilt also: erst wird das Verhalten gezeigt und daraufhin folgt der Verstärker

    • Der Hund wartet bis er das OK bekommt und geht erst dann an den Napf
    • Der Hund setzt sich bei Besuch hin, dafür bekommt er ein Leckerchen
    • Der Hund nimmt freiwillig Blickkontakt auf und bekommt dafür ein Lob
    • Der Hund läuft ohne zu ziehen an der Leine, dafür wird er durch die ausbleibende Strafe belohnt

Wird bei der operanten Konditionierung ein Verhalten nicht mehr belohnt bzw. bestraft, gerät das neu gelernte Verhalten nach und nach in Vergessenheit bzw. das unerwünschte wird wieder häufiger gezeigt.

Die operante Konditionierung und ihre 4 Quadranten

Prinzipiell gilt:

  • Belohnungen sollen helfen, dass erwünschte Verhalten häufiger gezeigt werden
  • Strafen sollen helfen, dass unerwünschte Verhalten immer seltener gezeigt werden

Im Zusammenhang mit der operanten Konditionierung liest man jedoch auch immer wieder von „positiven und negativen Belohnungen“  bzw. „positiven und negative Strafen“.

Was es mit diesem Positiv und Negativ auf sich hat, erfahrt ihr in den nachfolgenden Abschnitten.

Belohnungen sind positiv, Strafen sind negativ?

Ganz so einfach ist es nicht. Denn innerhalb der Lerntheorie sind diese Begriffe weder wertend noch emotional belegt. Sie haben eine rein mathematisch Bedeutung:

  • Positive Belohnung: Etwas Angenehmes wird hinzugefügt
  • Negative Belohnung: Etwas Unangenehmes/Angstmachendes wird entfernt

 

  • Positive Strafe:  Etwas Unangenehmes wird hinzugefügt
  • Negative Strafe: Etwas Angenehmes wird weggenommen / vorenthalten

Ob Positiv oder Negativ etwas Gutes oder Schlechtes bedeutet, hängt also lediglich davon ab, was man hinzufügt (Leckerchen oder Ausschimpfen) bzw. wegnimmt (Spinne oder Schokolade)

Beispiele

konditionierungDeshalb achte darauf, deinen Hund so zu erziehen und auszubilden, dass du dich wenn immer möglich, nur aus der Werkzeugkiste des Belohnens bedienen musst. Dein Hund wird es dir durch eine vertrauensvolle und stressfreie Beziehung danken.

Und denke immer daran, wenn sich ein Verhalten nicht in die gewünschte Richtung verändert, ist es vielleicht weil

  • der Hund das Verhalten nicht oder noch nicht zu leisten vermag
  • der Hund  Schmerzen hat
  • du deinen Hund unbewusst für ein unerwünschtes Verhalten belohnst
  • die Belohnung nicht zur Situation und Leistung passt
  • du deinen Hund für ein erwünschtes Verhalten unbewusst bestrafst, weil er eine andere Belohnung erwartet hat

Weitere Informationen zu Belohnungen und Strafen findest du unter den am Ende aufgeführten Links.

Dass die gleichen Mechanismen auch beim Menschen wirken, zeigt das nachfolgende Video „Konditionieren anhand von The big bang theory

Klassische Konditionierung

Bei der klassischen Konditionierung wird ein bis anhin neutraler Reiz (Geräusch, Geruch, Handzeichen, Wort…) so aufgebaut, dass immer wenn der Reiz in Erscheinung tritt, das mit dem Reiz gekoppelte Verhalten (bewusst oder unbewusst) ausgelöst wird:

  • du siehst ein leckeres Eis und dir läuft der Speichel im Maul zusammen
  • beim Anblick einer Spinne läuft es dir kalt den Rücken hinunter
  • dein Hund sieht eine Katze und spannt sich an
  • du sagst „sitz“ und dein Hund setzt sich hin (sofern er dies bereits gelernt hat)

 

Aufbau einer neuen Reiz-Reaktion

Das bekannteste Beispiel dafür ist wohl Pawlow’s Experiment mit der Glocke.

Zusammengefasst:  angeborene Reaktionen und Reflexe (hier der Speichelfluss) werden so mit dem für den Hund bis anhin neutralen Reiz (Glocke) verbunden, dass sie alleine durch diesen ausgelöst werden, ohne dass der ursprüngliche Reiz (hier das Futter) noch in Erscheinung tritt. Dieses Prinzip funktioniert natürlich auch mit anderen körperlichen Funktionen oder Verhaltensweisen.

Verwendung der klassischen Konditionierung

Oft geschieht dies im Zusammenleben mit unseren Hunden auch unbewusst. Sicherlich kennst du das eine oder andere der folgenden Beispiele auch:

  • Kaum raschelt es in der Tasche, steht dein Hund vor dir
  • Du nimmst die Leine vom Haken und dein Hund weiss, nun geht’s Gassi
  • Die Kühlschranktür geht auf und schon erwacht dein Hund aus dem Tiefschlaf

Und weil darauf immer eine angenehme Konsequenz folgt, wird dieses Verhalten auch nicht so schnell wieder gelöscht, selbst wenn es lange nicht mehr „belohnt“ wird.

Du kannst bzw. musst dir die klassische Konditionierung aber auch bewusst zu Nutze machen, Nämlich immer dann, wenn du ihm ein Verhalten auf ein Wort, Geräusch oder Körper-/Handsignal beibringen möchtest.

Denn egal

  • ob du das Wort „Futter, Gassi, Sitz oder Nein“ sagst
  • oder mit der Hand ein „Sitz“ signalisierst

keines von diesen enthält zu Beginn für deinen Hund eine Information, die er versteht. Erst wenn dein Hund den Reiz „Sitz“ mit dem Verhalten „Absitzen“  verbunden hat, kann er das Signal auch ausführen.

Zum Aufbau: Immer wenn dein Hund…

  • sich von alleine hinsetzt, sagst du kurz vorher „Sitz“ und gibst ihm ein Leckerchen (gleich wie bei der Glocke im oberen Video)
  • locker an der Leine läuft sagst du „Leine“ und belohnst ihn sofort
  • bereits auf dich zu läuft rufst du „zu mir“ und belohnst ihn bei dir

Je höherwertig deine Belohnung und je grösser deine Freude, desto schneller und besser ist der Reiz verknüpft – und klappt dann auch bei schwierigen Aufgaben

Auch der Clicker wird klassisch aufgebaut. Hier folgt beim Aufbau nach jedem Click eine Belohnung ohne dass der Hund etwas dafür tun muss. Das Gleiche gilt beim Aufbau eines Markerwortes oder des Hundenamens.

Weil wir aber nie wissen, was der Hund genau verknüpft, reicht ein Üben auf dem Hundeplatz oder Zuhause ohne Ablenkung nicht. Erst wenn du deinem Hund beigebracht hast, dass es weder auf den Ort, deine Körperhaltung, Kleidung oder Aussprache ankommt, wird er das Signal auch überall ausführen können.

Bis jetzt waren alles Beispiele, bei denen auf einen Reiz eine positive Konsequenz folgt.  Aber natürlich wirkt die klassische Konditionierung auch bei negativ konditionierten Reize:

  • du sagst „schschsch“ und zwackst dabei deinen Hund in die Seite
  • dein Hund hört das Surren einer Wespe und wird gleich darauf gestochen
  • ein Hund kommt um die Ecke und du ziehst deinen Hund am Halsband zurück

Je heftiger und schmerzhafter dieses Erlebnis war, desto schneller ist der Reiz verknüpft.

Das heisst je nach Intensität und Typ Hund genügen schon wenige Wiederholungen, damit dein „schschsch“, das Surren der Wespe oder ein auftauchender Hund zum Ankündiger von etwas Unangenehmen wird.


Therapeutischer Einsatz der klassischen Konditionierung

Die klassische Konditionierung wird aber auch bei den folgenden therapeutischen Trainings eingesetzt.

  • der Gegenkonditionierung (das Unangenehme wird zum Ankündiger von etwas Angenehmen: immer wenn der Erzfeind auftaucht, gibt es die Lieblingsleckerli)
  • Desensibilisierung: Langsame Gewöhnung an einen Reiz in der Intensität, dass ihn der Hund zwar wahrnimmt aber noch gut aushalten kann

Du siehst, die klassische Konditionierung läuft dir immer wieder über den Weg, ob du es willst oder nicht. Denn…

Pawlow blickt dir immer über die Schulter und begleitet dich in all deinen Trainings und noch mehr im Alltag  🙂

Und manchmal wundern wir uns, weshalb wir im Training nicht weiterkommen und übersehen dabei, dass wir Verhalten auch unbewusst bestätigen/bestrafen oder dass wir nicht die für den Hund richtige Belohnung in der entsprechenden Situations verwendet haben.

Weiterführende Artikel zu diesem Thema:

© 2016 – Teamschule – Monika Oberli
(Überarbeitet 2017)

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4 Gedanken zu “Lerntheorie – Belohnungen und Strafen

  1. Pingback: Belohnungen im Hundetraining | TeamSchule - Mensch und Hund

  2. Pingback: Die 5 Säulen der Harmonie – schneehund

  3. Hallo Monika & Jason 🙂
    Eine Anmerkung zur klassischen Konditionierung: Ich würde sagen, das hat gar nichts mit Verhalten zu tun, sondern mit einer emotionalen Reaktion. Speichel im Mund zusammenlaufen ist in meinen Augen kein Verhalten, sondern der physische Ausdruck einer emotionalen Reaktion. Klar passiert daraufhin immer als Nebeneffekt ein bestimmtes Verhalten, zum Beispiel „in die Küche rennen“, wenn der Hund den Dosenöffner hört, aber trotzdem ist das für mich eher ein Nebeneffekt und ich finde deinen Satz ein bisschen irreführend:

    „Bei der klassischen Konditionierung wird ein Reiz so aufgebaut, dass der Hund daraufhin ein bereits bekanntes (nicht zwingend erlerntes) Verhalten ausführt:“

    Denn so klingt es für jemanden, der sich damit nicht so gut auskennt, so, als müsste der Hund bei der klassischen Konditionierung ein bestimmtes Verhalten zeigen – aber genau das wäre ja dann operante Konditionierung. Für mich ist K.K. erstmal dazu da, die Emotion eines Hundes ins Positive zu verändern, zum Beispiel, dass er sich immer freut, wenn er die Krallenschere sieht. Und dazu ist es ja ausdrücklich NICHT erforderlich, dass der Hund etwas bestimmtes tut – sondern er kriegt einfach immer was Leckeres beim Anblick der Krallenschere, egal was er tut 🙂 Weißt du, was ich meine? Also dein Satz ist jetzt nicht falsch, einfach nur etwas verwirrend, wenn man ihn als Neuling liest, denke ich.

    Ich finde deinen Text echt gut, vor allem die Grafik gefällt mir, nach so was habe ich schon länger gesucht! Danke dafür! 🙂

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