Was es mit dem Ignorieren auf sich hat

ignorieren

Das Ignorieren ist eine besondere Form der Verstärkung/Bestrafung, da es ein Verhalten sowohl erhöhen als auch reduzieren kann. Immer abhängig davon, was dein Hund mit diesem Verhalten erreichen will.

Ignorien wirkt reduzierend
wenn ein Verhalten ignoriert wird, welches dem Hund die Aufmerksamkeit bringen soll

  • der Hund springt an dir hoch, um deine Aufmerksamkeit zu erhalten
    (Achtung nicht zu verwechseln mit dem Anspringen aus anderen Gründen wie Stress..)
  • der Hund bellt dich an, weil ihm Langweilig ist

Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass bei vielen Hunden durch das Ignorieren erst einmal Stress und Frustration entstehen kann, welcher sich dann vielleicht an anderer Stelle entlädt.

Ignorien wirkt verstärkend
wenn ein Verhalten ignoriert wird, welches  für den Hund selbstbelohnend ist

  • Bellen, um Frust abzubauen
  • Anspringen, um Stress abzubauen
  • Buddeln
  • Jagen
  • Leinenziehen
  • ….

Hier hat der Hund so viel Spass bzw. Erleichterung durch das eigene Tun, dass dein Ignorieren keine „Strafe“ für ihn ist. Und er wird dieses Verhalten immer weiter zeigen oder sogar noch intensivieren, weshalb hier das Ignorieren einfach verpufft.

Wie ignorierst du richtig?

Willst du ein Verhalten ignorieren, um es zu reduzieren, dann darfst du den Hund in dem Moment weder

  • anschauen
  • ansprechen
  • noch anfassen
  • und auch nicht durch eigene Bewegungen/Reaktionen auf sein Verhalten agieren.

Denn selbst wenn du dich abdrehst oder einen Schritt zurückgehst, reagierst du auf deinen Hund und sein Verhalten wird verstärkt.

Gefahren des Ignorierens

Wie bereits weiter oben beschrieben, wirken beim Ignorieren die ähnlichen Emotionen mit wie ich sie bereits bei den 4 Quadranten der Operanten Konditionierung erwähnt habe:

  • das Verhalten wirkt selbstbelohnend
    Hier wird der Hund durch sein eigenes Handeln belohnt und es stehen Spass und Freude im Vordergrund
    .
  • durch das Verhalten möchte der Hund bei jemand Anderem etwas erreichen
    Erreicht er sein Ziel nicht, kann dies zu Stress und Frustration führen

In beiden Fällen, können daraus Verhalten entstehen, die schwerer wiegen als das ignorierte Verhalten.

Deshalb ist Ignorieren ganz selten das richtige Mittel, um ein Verhalten zu verändern. Viel erfolgversprechender ist ein systematisches Training, welches dem Hund andere Möglichkeiten zeigt.

Ganz wichtig: Ignorieren darf nie das Mittel der Wahl sein, wenn dein Hund bereits gestresst ist oder durch dein Verhalten gestresst, frustriert oder panisch wird. 

Unbewusstes Belohnen von Verhalten

Manchmal wundert man sich, dass ein Verhalten nicht aufhört, obwohl man doch schon so lange daran arbeitet.

Achte doch mal darauf, ob du es in dem Fall in der Vergangenheit nicht immer wieder unbewusst belohnt oder bestraft hast.

Unbewusstes Belohnen
das Verhalten tritt häufiger oder länger auf

  • Dein Hund kommt durch Leinenziehen ans Ziel (immer oder auch nur manchmal)
  • Du streichelst einen Hund, während er einen anderen Hund fixiert
  • Dein Hund bellt dich an, weil du ihn nicht beachtest
    –> du befiehlst ihm ruhig zu sein (auch unangenehme Aufmerksamkeit kann belohnend wirken)
  • Dein Hund steht am Besuch hoch
    –> du befiehlst ihm runter zu gehen (auch hier die unangenehme Aufmerksamkeit…)

Unbewusstes Bestrafen
das Verhalten tritt seltener auf oder erlischt sogar ganz (vorallem in der Lernphase)

  • Dein Hund wartet ruhig, während du dich unterhältst, reagierst aber sofort auf sein Bellen
    –>dein Besitzer beachtet dich erst, wenn du ihn anbellst
  • Dein Hund sieht eine Katze, jagt ihr aber nicht nach
    –> du belohnst dies nicht
  • Dein sonst hibbeliger Hund steht bereits seit einer halben Minute ruhig neben dir
    –> er bekommt kein Lob oder Keks dafür
  • Dein Hund schaut auf dem Spazi immer mal wieder bei dir vorbei
    –> du reagierst nicht darauf

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© 2016 – Teamschule – Monika Oberli

2 Gedanken zu “Was es mit dem Ignorieren auf sich hat

  1. Pingback: Die operante Konditionierung | TeamSchule - Mensch und Hund

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