Belohnungen im Hundetraining

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Als Basis empfiehlt sich, den Artikel „Lerntheorie – Belohnung und Strafen…“ vorgängig zu lesen

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Mit Belohnungen wird ein erwünschtes Verhalten verstärkt, so dass es öfters auftritt bzw. ein negatives gar nicht erst entsteht.

Die positive Belohnung

Bei der positiven Belohnung wird wird dem Hund etwas für ihn Angenehmes hinzufügt, sobald oder solange er ein erwünschte Verhalten zeigt.

Dabei kann man sich aus den den folgenden Verstärkern bedienen:

  • Primäre Verstärker (=ungelernte Verstärker wie Futter, Wasser, Buddeln, Sozialkontakte…)
  • Sekundäre Verstärker (= gelernte Verstärker wie Lob, Markerwort/Clicker, Spielzeug, geliebte Übungen…)

Die positive Belohnung, wenn sie nicht funktioniert

Dann wurde das Verhalten des Hundes nicht belohnt. Sei es

  • weil das, was du als Belohnung anschaust, für deinen Hund keine ist (z.B. Streicheln statt das erwartete Leckerchen)
  • weil die Belohnung nicht zum belohnenswerten Verhalten passt
    (kein funktionaler Verstärker)

Ein funktionaler Verstärker ist etwas, das der augenblicklichen Motivation des Hundes entspricht und nicht das, was du als Belohnung für ihn siehst. Ein Hund, der

  • der gerade einem Hasen nachjagen wollte, möchte als Belohnung nicht ein Trockenleckerchen aus deiner Hand fressen sondern seinem Hetzbedürfnis zum Beispiel über ein gemeinsames Rennspiel nachkommen.
  • ein Hund, der gerne Kontakt mit einem anderen Hund aufnehmen möchte, will als Belohnung für’s Warten, kein Leckerchen sondern den anderen Hund begrüssen dürfen

Nicht immer kann der funktionale Verstärker eingesetzt werden, dann überlege dir etwas, was diesem möglichst nahe kommt (wie z.B. einem Dummy, statt der Katze nachjagen, statt zurück ins Spiel mit anderen Hunden, ein kurzes Spiel mit dir…)

Die negative Belohnung

bedeutet nicht, dass der Hund etwas Negatives erlebt. Im Gegenteil, es wird etwas für den Hund Negatives entfernt.

Ein Hund, der Angst vor fremden Menschen hat, wird damit belohnt, dass dieser weggeht, sobald er sich seinem Besitzer zuwendet. Der Hund wird aber auch belohnt, wenn der Mensch weitergeht, sobald er diesen verbellt. Im ersten Fall wird der Hund immer häufiger das in unseren Augen gute und im zweiten das schlechte Verhalten ausführen.

Die negative Belohnung beinhaltet jedoch noch ein weiteres nicht unwesentliches Risiko. Es muss erst etwas Negatives vorhanden sein, damit dieses durch Wegnahme als Belohnung wirkt. Das können einerseits Dinge aus der Umwelt sein aber es können genauso gut Sachen sein, die der Mensch zufügt wie

  • Druck auf den Po, damit sich der Hund hinsetzt
  • den Hund körperlich bedrohen, damit er auf seinen Platz geht
  • die Leine festhalten und erst weitergehen, wenn der Hund die Leine locker lässt

Gefahren beim Belohnen

Natürlich kann es geschehen, dass du den Hund im falschen Moment belohnst. Im Gegensatz zu einer Strafe im falschen Moment hat dies aber keine weitreichenden Konsequenzen.

Denn in einem solchen Fall achtest du einfach darauf, ihn das nächste Mal nur noch für das richtige Verhalten zu belohnen bzw. bevor er das „Falsche“ macht. Dann vergisst der Hund das Unerwünschte ganz schnell wieder, weil es sich für ihn nicht lohnt, sofern es nicht selbstbelohnend ist.

Du wirst es aber auch erleben, dass ein Hund ein unerwünschtes Verhalten bewusst einsetzt, um zu seiner Belohnung zu kommen (er bellt, damit er Aufmerksamkeit bekommt /er jagt  einer Krähe nach, damit der Besitzer ihn abruft und ihm ein Leckerchen gibt)

Das durchschaut man in der Regel jedoch recht schnell und gibt dem Hund in diesem Fall einfach nicht die erwartete Belohnung = Negative Strafe

Man kann sich diesen Effekt aber gerade in der Verhaltenstherapie sehr gut zu Nutze machen. Und zwar vorallem dann, wenn ein  zu veränderndes Verhalten von einer negativen Emotion wie Angst oder Stress und nicht durch ein bewusstes Verhalten gesteuert wird.

Hier lernt der Hund als erstes, dass ihm der Anblick des Auslöser etwas Gutes von seinem Menschen bringt (=klassische Konditionierung). Beginnt er dann eines Tages ganz bewusst, diese Auslöser zu suchen, um seinen Menschen zur Herausgabe eines Leckerchens zu bewegen, ist er nicht mehr Sklave seiner Gefühle sondern kann sein Handeln bewusst beeinflussen.
Ab diesem Zeitpunkt ist er auch offen für die nächsten Trainingsschritte. Denn ein Hund, der einen anderen Hund anbellt, weil er ein Leckerchen möchte und nicht mehr, weil er sich vor diesem fürchtet, kann nun auch bewusst ein neues Verhalten lernen (=operante Konditionierung) .

Belohnen, locken oder bestechen

Das Leckerchen als Lockmittel
Nimmst du das Leckerchen immer in die Hand bevor du deinen Hund rufst? Oder weiss dein Hund, dass du in der Hundeschule immer mit Leckerchen arbeitest, sonst aber eher weniger.

Hier ist die Gefahr gross, dass du über Locken arbeitest. Das kannst du ganz leicht überprüfen.

  • Setzt sich dein Hund auch auf dein Signal hin, wenn du kein Leckerchen in der Hand hast
  • Führt der Hund die Übung auf dem Hundeplatz auch gerne aus, wenn du deinen Leckerchenbeutel nicht auf dir trägst

Locken an sich ist nichts Schlechtes. Nämlich immer dann, wenn der Hund über das Locken etwas Neues lernen soll, kann es hilfreich sein, ihn zum Beispiel in die Bewegung zu locken. 

Das Leckerchen als Bestechung
Wie oft passiert es dir, dass du nach dem Leckerchen greifst, weil dein Hund auf deinen Rückruf nicht gleich kommt?

Das ist der Moment in dem du über Bestechung arbeitest.

  • Dem Hund wird das Leckerchen gezeigt, damit er etwas macht.
  • Dein Hund kommt nur, wenn du ihm vorher ein Leckerchen zeigst.

Er hat gelernt, dass er schneller und sicher zum Leckerchen kommt, wenn er dein Signal nicht ausführt, solange du das Leckerchen nicht in der Hand hältst

Das Leckerchen als Belohnung
Gibst (und zeigst) du deinem Hund das Leckerchen immer erst, wenn das gewünschte Verhalten ausgeführt hat? Dann arbeitest du über Belohnung und dein Hund hat gelernt, dass es sich lohnt, Verhalten anzubieten.

Dies ist langfristig die erfolgreichste Art, Verstärker zu benutzen. Sie ist motivierend und zielführend für alle Beteiligten.

Das Leckerchen wird hier nur als Beispiel verwendet. Selbstverständlich gilt dies auch für alle anderen Belohnungsmöglichkeiten, die dein Hund mag

 

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© 2016 – Teamschule – Monika Oberli

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