Achtung Prozessionsraupen!

Von Mitte Juni bis Ende August legen die Weibchen des Pinien-Prozessionsspinners, einem unscheinbaren grauen Schmetterling, ihre Eier in Pinien- bzw. Kiefernnadeln ab. Im Januar schlüpfen daraus die Larven die sich zu den Prozessionsraupen entwickeln.

Und diese Raupe ist alles andere als harmlos. Denn schon bei geringstem Hautkontakt rufen ihre Brennhaare bei Mensch und Tier unangenehme bis gefährliche Reaktionen hervor welche vom massiven Juckreiz bis zu allergischen Reaktionen führen können. Dazu reicht oft schon ein einziges Brennhaar aus, welches vom Wind herangetragen wird oder der Kontakt mit einem alten Nest in dem noch die Härchen stecken.

Vor allem Tiere sind extrem gefährdet, da diese gerne mit der Nase am Boden schnüffeln oder die Raupen mit der Zunge berühren und das „Gift“ somit direkt mit den empfindlichen Schleimhäuten aufnehmen.

Die grösste Gefahr besteht in den Monaten Februar bis April in denen die Raupen auf Wanderschaft sind.

Erste Hilfe und Versorgung
Als erste Hilfe muss die betroffene Stelle sofort mit lauwarmen Wasser abgerieben werden. Hierbei unbedingt darauf achten, sich selbst vor den Brennhaaren zu schützen.

Anschliessend muss der Hund unbedingt zum Tierarzt gebracht werden, der dann über die weitere Behandlung entscheidet.

Vorkommen
In Südeuropa aber auch im Tessin ist die Pinien-Prozessionsraupe bereits seit längerem ein Problem. Inzwischen wurde sie aber auch schon auf der anderen Seite der Alpen gesichtet wie auch dieser Erfahrungsbericht vom 21.3.2016 der Kleintierpraxis Werlen aus dem Wallis zeigt:

prozessionsspinne_teamschule.jpg

Leider hatten wir heute einen unschönen Notfall. Ein 1 Jahr alter Labrador geriet Zuhause auf dem eigenen Rasen an Prozessionsspinner-Raupen. Plötzlich fing er an zu speicheln und konnte nicht mehr trinken. Zudem war er schlapp und hatte hohes Fieber.

Grund dafür: die Prozessionsraupe! Wir haben ihn sediert und intubiert um ihm das Maul grosszügig spülen zu können. Die Zunge war sehr geschwollen und extrem schmerzempfindlich und ich musste feststellen, dass vorne ein grosses Stück nicht mehr zu retten ist. Alles was jetzt verfärbt ist wird leider absterben

Gebt Acht! Die Raupen laufen wirklich wie in einer Art Prozession hintereinander. Ihre Nester sehen aus wie ein grosser Kokon und befindet sich meist an Kiefern/Föhren. Lasst die Hunde keinesfalls daran schnüffeln und haltet euch auch selber davon fern. Man kann im Spital landen aufgrund eines allergischen Schockes.

Wenn ihr auf eurem eigenen Grund und Boden solche Tiere habt (meist sieht man so weisse Nester in den Föhren) oder ihr sie auf dem Spaziergang antrefft: lasst euren Hund keinesfalls daran schnüffeln. Und wenn euer Hund speichelt, schaut euch die Maulhöhle und die Zunge ganz genau an…
Vielen Dank Romaine, dass ich deine Bilder und deinen Bericht hier verwenden darf.

Anmerkung:
21.3. Der Hund ist im Augenblick Zuhause und mit Morphium und Cortison sowie einer Infusion abgedeckt
Der Hund hat’s überlebt, aber ein Teil der Zunge musste amputiert werden 😦

Weitere Arten

Eichen-Prozessionsspinner
Verbreitung: von der Iberischen Halbinsel über Süd- und Mitteleuropa östlich bis in den Süden Russlands und nach Vorderasien sowie im Süden Schwedens
Gefährlich: Ab dem 3. Larvenstadium von Mai bis Juni                                                               Link

Kiefern-Prozessionsspinner
Verbreitung: In trockenen und sandigen Kiefernwäldern im Nordosten von Deutschland, Polen sowie im Süden von Schweden und Finnland. Aber auch in Frankreich und Spanien wurden sie schon gesichtet.
Gefährlich: Juli – August                                                                                                                     Link

Pistazien-Prozessionsspinner
Verbeitung: In trocknenen und heissen Lebensräumen im Irak, Iran, Israel, Mazedonien, Palästina, Syrien, Zypern…
Gefährlich: Februar bis April                                                                                                               Link

Weitere Links:

© 2016 – Teamschule – Monika Oberli

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