Konfliktstrategien – die 4F

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Erlebt der Hund eine für ihn stressige oder beängstigende Situation, so wird er auf eine der obigen vier Verhaltensstrategien zurück greifen.

Diese sogenannten 4Fs, welche auch als Stressstrategien bezeichnet werden, stehen nicht nur Hunden sondern allen Lebewesen zur Verfügung.

Welche der Hund jedoch wählt, um seinen Konflikt zu lösen, hängt von der Situation, dem Hundetyp (-rasse), seinen Lernerfahrungen sowie dem Auslöser ab.

Und je nachdem wie sich eine Situation entwickelt, kann der Hund seine Strategie auch innerhalb eines Konflikts ändern.

Kann er sich zum Beispiel eines aufdringlichen Hundes nicht durch Herumalbern (Flirt auch Fiddeling genannt) entledigen, entschliesst er sich vielleicht zur Flucht (Flight). Nützt auch dies nichts, so stellt er sich evt. zum „Kampf“ (Fight).

Auch das häufig in solchen Situationen gezeigte Hochspringen am Hundebesitzer, Beissen in die Leine oder „unmotivierte“ Bellen… kann auf einen solchen inneren Konflikt hindeuten.

Merkt ein Hund jedoch, dass er mit einer Strategie nicht weiter kommt, wird er sie zu Beginn evt. intensivieren, langfristig aber gar nicht mehr benutzen. Genauso wird er aber auch immer häufiger auf die Strategie zurückgreifen, welche ihm in der Vergangenheit schon geholfen hat.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass wir als Halter erkennen, wenn der eigene Hund oder auch sein Gegenüber in einer nicht mehr auf gutem Weg lösbaren Konfliktsituation steckt. Denn dann gilt es diese aufzulösen, in dem der Hund aus dieser herausgeholt wird, bevor er reagieren muss.

Falls ihr Hund häufig solche Situationen erlebt, ist darauf zu achten, ihn möglichst wenige in solche kommen zu lassen. Und ihm gleichzeitig durch ein gezieltes Training  zu helfen, dass ihn diese langfristig immer weniger in einen Konflikt bringen bzw. dass er sie gut selber auflösen kann…und sei es, dass er Unterstützung bei Ihnen sucht und bekommt.

Einfluss der Hundetypen und -rassen auf die Wahl der Strategie

Je extrovertierter ein Hund ist, desto eher wird er auf Flirt und Fight setzen, während der unsichere, introvertierte Hund sich tendenziell für Flight oder Freeze entscheiden wird ggf. auch Fight (Abschnappen), wenn er keinen Ausweg mehr sieht.

Während der zitterende und im Freeze erstarrte Hund häufig Mitleid auslöst, wird der genauso stark gestresste Fighter meist als „aggressiv“ oder „dominant“ bezeichnet.

Bei letzterem kommen dann häufig Trainingstipps, wie „du musst dem Hund einfach mal zeigen, dass du der Chef bist“. Wird dann versucht sein „aggressives“ Verhalten mit Druck und Strafe zu unterdrücken statt ihm neue Lösungswege aufzuzeigen, dann zahlen Hund und Mensch einen hohen Preis dafür…der Hund verliert das Vertrauen.

Denn sind die Strafen stark genug, so wird es vielleicht gelingen, dass der Hund sein Abwehren aufgibt und ins Freeze geht – auch unter dem Begriff „erlernte Hilflosigkeit“ bekannt. Aber innerlich ist er immer noch gleich gestresst bzw. schlimmer noch, nun kommt auch noch die Angst vor der Strafe dazu.

Aber auch der „Freezer“ wird oft missverstanden, er ist ja so brav und ruhig. Was nicht nur für seinen Halter sondern auch sein Umfeld so angenehm ist. Innerlich wird er aber von seiner Angst fast aufgefressen ohne dass er Hilfe bekommt.

Wie wir in anderen Beiträgen hier im Block bereits erfahren haben, kann lang andauender Stress jedoch krank machen und zum Beispiel zu Kreislauf- oder Herzproblemen führen. Oder den Freezer auch in eine Depression führen.

Deshalb achten Sie unbedingt auf die Signale Ihres Hundes, egal ob auf Sie auf dem Spaziergang anderen Hunden begegnen, beim Tierarzt sind oder ihr Hund sonst in eine für ihn neue Situation kommt und helfen ihm, wenn nötig, diese gut zu lösen.

Weitere Artikel zu diesem Thema

© 2016 – Teamschule – Monika Oberli

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11 Gedanken zu “Konfliktstrategien – die 4F

  1. Pingback: Aggressionen – TeamSchule – Mensch und Hund

  2. Pingback: Knurrende Hunde – TeamSchule – Mensch und Hund

  3. Pingback: Die Eskalationsleiter des Hundes – TeamSchule – Mensch und Hund

  4. Hallo, der Artikel ist wirklich interessant. Wir haben einen Hund aus Spanien der noch vor vielem angst hat. Zu Hause ist sie sehr liebevoll und sucht immer den Kontakt zu uns. Draußen rastet sie gegenüber Radfahrern, joggern und häufig auch Hunden an der Leine aus. Auf der hundewiese ist alles in Ordnung. Haben Sie einen Tipp, wie ich ihr da helfen kann? Das ist wirklich stressig für sie.

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  5. Ängste sind für alle Beteiligten sehr belastend. Und je häufiger ihr Hund in Situationen kommt, bei denen sie so stark reagieren muss, desto schneller ist ihre Energie verbraucht und sie wird noch heftiger auf den Auslöser reagieren. Sie können aber mit Werkzeugen wie „der konditionierten Entspannung“, „dem Click for Blick“ sowie „Zeigen und Benennen“ aber auch dem „Geschirrgriff“ Ihrere Hündin helfen, solche Situationen besser zu bewältigen. Das wird nicht von heute auf morgen geschehen. Aber langfristig wird es Ihr und damit auch Ihnen viel besser gehen.
    Im Internet finden Sie diverse Anleitungen zu obigen Werkzeugen. Aber am Besten lassen Sie sich am Anfang von einem Trainer, der damit vertraut ist, begleiten, damit Sie und Ihr Hund, diese möglichst fehlerfrei lernen können.

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  6. Ein guter Artikel. Nur was gibt es für Trainingsmethoden. Klick für Blick ging bei mir nicht. Es hat nicht funktioniert. Mal warnt sie wie ein normaler Hund und dann hat sie auch Kandidaten da rastet sie komplett aus. Meine Hündin ist denke ich sehr unsicher. Aber manchmal wenn sie einen anderen Hund sieht, rennt sie los und springt diesem in den Nacken. Mir bleibt kaum Zeit noch einzugreifen. Ich finde das sehr erschreckend. Wirklich nett ist sie nur zu ganz ausgewählten unkastrierten Rüden.
    Sie kommt aus Rumänien. Ich habe Sie jetzt fast 2 Jahre und Sie ist ca 7 Jahre alt.
    Sie muss gar nicht jeden Hund mögen, aber dieses plötzliche losschießen und dem anderen Hund in den Nacken zu springen und zu schnappen ist wirklich extrem. Oft passiert es, wenn Sie angebellt wird, aber manchmal einfach so. Habe ich Sie an der Leine ist das alles nur noch viel schlimmer.

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    • Da gebe ich Ihnen absolut recht. Ein Hund muss nicht jeden Hund mögen. Aber wie Sie ja selber merken, geht das andere natürlich auch nicht.
      Der „Klick for Blick“ ist eine tolle Möglichkeit, Hunden zu helfen. Aber in der Regel reicht dies alleine nicht. Auch ist es wichtig, diesen Trainingsansatz korrekt und fehlerfrei anzuwenden, um eine Veränderung beim Hund zu bewirken.
      Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, sich an einen kompetenten Verhaltenstrainer zu wenden, der sich mit dem Verhalten Ihres Hundes auskennt und der ihnen zeigt, wie Sie Ihrer Hündin helfen können, damit Hundebegegnungen entspannter werden. Bedenken Sie aber, je häufiger Ihre Hündin das aktuelle Verhalten noch zeigen kann, desto mehr wird es sich festigen. Auch ist es für den entgegenkommenden Hund nicht gut, so attackiert zu werden und kann je nach Grössenverhältnis auch gefährlich werden. Deshalb müssen Sie verhindern, dass Sie dies weiter machen kann. Und das geht nur durch Absicherung mittels Leine. Das kann aber durchaus auch eine etwas längere sein, so dass sie doch etwas Freiraum hat. Falls Sie noch nie mit einer längeren Leine gearbeitet haben, lassen Sie sich dies unbedingt zeigen!

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  7. Hallo,
    mal wieder toller Artikel *Daumenhoch*
    Ich habe einen unsicheren Sheltie, der aber durch seinen Streß dominant rüberkommt. Er hat sich schon von Klein auf auf den Boden gelegt und abgewartet wenn andere Hunde kommen (Border-typisch, wobei in ihm auch viel Hütetrieb drin steckt). Jetzt ist er 3 Jahre alt. Oft schießt er nach vorne und startet eine „Scheinattacke“, auch bei Hunden (Hündinnen) die er gut kennt und keine Angst zu haben braucht. Der Hund wird dann kurz angebellt und dann ist gut. Besonder große (extrovertierte) Rüden sind extrem stressig für ihn, da wird auch geknurrt und angesprungen. Nun ja, richtigen Trainingsansatz hab ich auch noch nicht gefunden. An der Leine ist er auf jeden Fall aggressiver, da lasse ich schon lange keinen Kontakt (außer absolut bekannte Hunde) zu – wenn möglich. Er fixiert die Hunde in solchen Stresssituationnen, so dass er auch kaum ansprechbar ist. Haben Sie event. noch eine Idee?

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    • Ihr Hund hat gelernt, dass sein jetziges Verhalten eine sinnvolle Strategie darstellt, um andere Hunde auf Distanz zu halten.
      Um ihm zu helfen, müssen sie ihm nun zeigen, dass es bessere Alternativen gibt mit denen er die Distanz zu anderen Hunden wahren kann. Und zwar ganz ohne Strafe und Druck.
      Welche Alternativverhalten für Sie und Ihren Hund die richtigen sind und wie diese aufzubauen sind, würde den Rahmen dieses Blogs jedoch sprengen. Auch ist es in meinen Augen unprofessionell Ihnen hier konkrete Anleitung zu geben, ohne Sie und Ihren Hund persönlich zu kennen.
      Wichtig für Ihren Hund wäre aber auch, dass er gute Hundebegegnungen an der Leine ohne direkten Kontakt haben darf (vielleicht haben Sie ja Jemand in der Nähe, der gute Social Walks anbietet) sowie das generelle Stärken seines Selbstbewusstseins.
      Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, sich an einen guten und positiv arbeitenden Verhaltenstherapeuten Ihrer Umgebung zu wenden, der sie ein Stück auf Ihrem Weg begleitet.

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  8. Ich bin über einen Link zu den Eskalationsstufen des Hundes auf Sie gestossen und finde Ihren Blog wirklich toll! Das mit den Eskalationsstufen ignoriert man als Mensch für gewöhnlich bis es in den roten Bereich geht. 🙂 Es war für mich beispielsweise eine große Lernerfahrung, dass mein Hund, der für gewöhnlich flirtet und den Besitzer anspringt, sich nicht wohlfühlt in der Situation.
    Ich schimpfe sie nicht, sondern gehe vorbei und rufe sie dann ab um sie aus der Situation zu holen, was eigentlich immer funktioniert.

    Leider schaffe ich es nicht, dass sie im Freilauf nicht hinrennt. Ich kann sie wunderbar aus jeder Spielsituation abrufen, aber sie MUSS immer hinrennen. Auch wenn sie weiß, dass sie sich dann whs bedrängt fühlt. Sie ist selbst ein eher aufdringlicher Hund, hat dann aber ein Problem, wenn andere Hunde es auch sind. Es ist das einzige Verhalten das mich wirklich richtig stört, aber ich bekomme es nicht in den Griff.
    Selbst wenn ich ihr eine Aufgabe gebe wie bei Fuß gehen rast sie los und auf den anderen Hund zu. Ich vermute weil sie die Situation regeln will. Aber ich verstehe einfach nicht, warum sie nicht die Ausrede, sich mit mir zu beschäftigen nimmt um sich der Situation nicht aussetzen zu müssen?

    Haben Sie eventuell einen Tipp? Oder eine Erklärung? Lola ist ein 2 1/2 jähriger Labrador. 🙂

    LG aus München

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