Wenn dein Hund Angst vor Feuerwerk hat

Jahreswechsel und der 1. August in der Schweiz… beide werden von vielen kleinen und grossen Feuerwerken begleitet.

Sehr zum Leidwesen vieler Haus- und Wildtiere, welche dieser Lärm in Angst und Schrecken versetzt. Und schon manches ist voller Panik vor diesem Lärm davon gerannt.
Passt deshalb in diesen Tagen besonders gut auf eure Tiere auf. Lasst sie lieber einmal mehr an der Leine oder eure Katzen im Haus, wenn ihr nicht sicher seid, was passiert.

Denkt auch daran, dass selbst Tiere, die bis jetzt keine Angst gezeigt haben, sich durch einen in der Nähe explodierenden Feuerwerkskörper erschrecken können – und dies auch schon tagsüber während eurer Spaziergänge.

Aber auch, wenn er keine Angst vor dem Geknalle hat, so könnt ihr schon heute dafür sorgen, dass dies nach Möglichkeit auch so bleibt.

  • Wenn es irgendwo knallt UND der Hund reagiert darauf mehr als mit einem Ohrzucken oder Kopfheben, dann tut erfreut, signalisiert ihm „Alles ganz toll!“ und lasst Leckerchen regnen. Der Hund verknüpft so, dass es toll ist, wenn es ab und zu mal knallt
  • Zeigt er keinerlei Reaktion, dann zeig auch du keine. Denn egal ob du nun beobachtest, was er macht oder ihm Leckerchen gibst, dein Hund merkt, dass du anders bist als sonst und es besteht die Gefahr, dass du ihn dadurch erst auf die Geräusche sensibilisierst.
  • Und wenn es dann richtig zischt und knallt, dürfen es auch ruhig richtig grosse Wurst-, Käsestücke oder sonstige Leckerbissen sein. Denn Kauen und Schlucken beruhigt
  • Weil auch Denken und Handeln von der Angst ablenken, könnt ihr mit eurem Hund auch ein tolles Suchspiel oder sonst eine Lieblingsübung machen – heute einfach etwas einfacher als sonst
  • Geht das letzte Mal mit dem Hund Gassi noch bevor das ganz grosse Geknalle beginnt und auch erst wieder raus, wenn es schon etwas ruhiger geworden ist
  • Und lasst eure Tiere nach Möglichkeit nicht alleine Zuhause oder wenn doch, dann mit laufendem Radio in normaler Zimmerlautstärke
  • Achtet im Haus darauf, dass die Fenster und Läden geschlossen sind und ihr mit Musik die Geräusche von aussen etwas dämpft. Auf viele Tiere wirkt ruhige klassische Musik beruhigend

Sucht euer Hund Schutz bei euch, dann gebt ihm den. Denn nichts ist schlimmer als in seiner Angst alleine gelassen zu werden. Daher lasst eure Tiere auch dann nicht alleine Zuhause, wenn sie bis jetzt noch nie Angst davor zeigten.

Anmerkung: Dass man einen Hund in seiner Angst bestärkt, wenn man ihn beachtet, ist inzwischen GsD längst überholt und man darf ihn getrost zu sich lassen und ihn z.B. beruhigend massieren…wenn er das möchte. Wichtig dabei ist lediglich, dass man selber ruhig bleibt und den Hund nicht durch die eigene Aufregung noch mehr verunsichert. Weitere Hintergrundinfos sind hier auf dieser Blogseite zu finden.

Hat ihr bereits einen Hund, der panisch auf das Geknalle reagiert, so gibt es auch hier Möglichkeiten, die ihm helfen, diese Tage besser zu überstehen.

  • Sucht einen möglichst ruhigen Ort in der Wohnung auf, wo das Geknalle nicht so gut hörbar ist und lasst Musik laufen
  • Gebt eurem Hund Schutz und Nähe. Bleibt er lieber auf Distanz, akzeptiert aber auch das
  • Bleibt selbst möglichst ruhig, denn diese Ruhe überträgt sich auf euren Hund
  • Bemitleidet ihn nicht, habt aber Verständnis und Mitgefühl für sein Verhalten
  • Geht mit euren Tieren in den Keller, wo die Geräusche weniger stark sind
  • Mit Hunden, die sich im Auto wohl fühlen, kann man die Zeiten mit der ärgsten Knallerei auch auf der Autobahn abseits von grossen Städten verbringen
  • Steckt dem Hund Watte in die Ohren (nur im oberen Bereich) und deckt das Ganze mit einem Schal ab (Alternativ gibt es auch die sogenannten Mutt Muffs. Diese sind aber teurer) *
  • Für Pferde gibt es Ohrstöpfsel mit Bändern dran, die man auch für Hunde verwenden kann. Steckt aber auch diese nicht weit rein *
  • Sichert gerade panische Hunde sehr gut. Entweder mittels Sicherheitsgeschirr, welches einen 2. Bauchgurt besitzt oder über Halsband UND Geschirr (Norwegergeschirre sind dafür am wenigsten geeignet, da der Hund hier im Notfall schnell rausgeschlüpft ist)

Was ihr schon vorher machen könnt…

  • Gewöhnt euren Hund rechtzeitig an das Tragen einer Körperbandage, eines engen TShirts oder ThunderShirts – viele Hunde reagieren positiv auf den leichten Druck in stressigen Momenten *
  • Beginnt bereits ein paar Tage vorher mit der Gabe von Rescue Tropfen – am Anfang 3×4 Tropfen täglich, am Tag selbst stündlich und kurz vorher und während der Knallerei alle 10 – 15 Minuten (kann sie euer Hund vor lauter Stress nicht einnehmen, zwingt ihn nicht dazu, sondern streicht ihm die Tropfen ins Fell – aber auch das nur, wenn ihr ihn damit nicht noch mehr stresst)
  • Manchen Hunden hilft das Nahrungsergänzungsmittel Zyklene
  • Nutzt RelaxoPet, um euren Hund Zuhause zu entspannen

* Idealerweise gewöhnt man das Tier in ruhigen und entspannten Situationen an das
Tragen von diesen Sachen. So bringt es diese mit dieser Entspannung in Verbindung
und wird am Silvester nicht zusätzlich durch das erstmalige Anlegen gestresst.

Wenn es besonders schlimm ist…

  • kann man sich vom TA Medikamente verschreiben lassen, welche angstlösend wirken. Achtet unbedingt darauf, dass es solche sind, die eure Tiere wirklich gleichgültig gegenüber den Geräuschen machen und sie nicht einfach nur lähmen –> Silvester – Finger weg von Acepromazin
  • verreist über die Tage an einen ruhigen Ort…fragt aber unbedingt vorher dort an. Nicht, dass sie ein grosses Feuerwerk planen
  • Sophie Strodtbeck hat einen weiteren Tipp veröffentlicht, indem sie die Gabe eines EL Eierlikörs empfiehlt (dies reicht für ca 4-5 Stunden). Dies kann je nach Hund anstelle von Medikamenten angewandt werden (bei sehr kleinen Hunden würde ich es mit einer geringeren Menge ausprobieren). Siehe dazu auch den Beitrag von Ralph Rückert

Und wenn es vorbei ist: Helft euren Hunden durch ein geeignetes Training ihre Angst teilweise oder ganz zu überwinden oder zumindest geeignete Lösungsstrategien für sich zu finden (Jason zum Beispiel hat gelernt, dass er diese Verbellen kann und sie dadurch ihren Schrecken verlieren. In der Regel reichen ihm heute, wenn überhaupt, 1 – 2 Beller beim ersten Knaller bevor er mit mir Kontakt aufnimmt).
Wenn ihr euch das alleine nicht zu traut, dann wendet euch an einen Trainer, der sich damit gut auskennt.

*****

Ich hatte selbst 2 Hunde, die vor dem Training panisch auf die Knaller reagierten und weiss daher, wie schlimm dies für das Tier aber auch seine Menschen ist. Deshalb finde ich es ganz wichtig, dass man alles mögliche versucht, um seinem Hund zu helfen. Sei es unmittelbar in der Situation oder unter dem Jahr durch ein geeignetes Training.

Nicht immer gelingt es, dem Hunde die Ängste damit ganz zu nehmen. Aber nur schon eine Reduktion bringt viel Lebensqualität zurück. Denn häufig bleibt es ja nicht nur bei der Angst vor den August- und Silvesterknallern.

Und so wünsche ich euch und euren Hunden nun einen so weit als möglich entspanntes Feuerwerk.

© 2015 – Teamschule – Monika Oberli

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