Aggressionen

Wenn wir von den Verhaltensweisen eines Hundes reden, dürfen auch diejenigen aus dem aggressiven Verhaltensrepertoire nicht fehlen. Denn Aggressionen gehören genauso wie die Calming Signals zum angeborenen normalen Verhalten eines jeden Lebewesens, egal ob Hund, Katze, Maus oder Mensch.

Und genauso wichtig ist es zu wissen, dass Aggression keine Charaktereigenschaft eines Hundes darstellt. Vielmehr handelt es sich dabei um eine Problemlösungsstrategie, welche in einer subjektiv als gefährlich/unangenehm eingestuften Situation angewandt wird und die sich im Laufe der Zeit als erfolgreiche und wirkungsvolle Strategie herauskristallisiert hat.

Die Signale aus dem Aggressionsbereich
Während Calming Signals (Beschwichtigungs- und Beruhigungssignale) eingesetzt werden, um Angst und Stress abzubauen, dienen die Drohgebärden zur Gefahrenabwehr und andere auf Distanz zu halten. Dazu gehören u.a.

  • Anstarren
  • Steifer Gang
  • Zähne zeigen / Zähne fletschen
  • Knurren
  • Bellen
  • Schnappen
  • Scheinangriff

Mit diesen Aktionen versucht der Hund alles, um einen Beschädigungskampf zu vermeiden. Erst, wenn weder Beschwichtigungs- noch Drohsignale fruchten, wird der Hund je nach Typ zum Angriff oder eines der anderen Verhalten aus den 4F übergehen

Das zeigt, dass Aggression nicht per se böse oder ein Verhaltensproblem  ist.

Ein aggressives Verhalten wird erst dann zu einem Verhaltensproblem, wenn es übersteigert, der Situation nicht angemessen oder aber für andere gefährlich ist. Oder der Hund leidet selbst darunter, weil er deswegen keinen freien Sozialkontakt mehr zu anderen Menschen und/oder Hunden haben kann.

Noch gefährlicher aber sind Hunde, denen das Zeigen dieser Drohgebärden verboten wurde bzw. die erfahren mussten, dass diese nicht beachtet werden. Diese bleiben dann so lange ruhig, bis es nicht mehr anders geht… siehe dazu auch die Eskaltionsleiter des Hundes

Ursachen für ein aggressives Verhalten
Ein aggressives Verhalten wird in den meisten Fällen durch negative Gefühle wie Angst, Unbehagen oder Schmerz begleitet oder ausgelöst wird, welche entsprechend theraphiert werden müssen. Auch eine Überforderung, welche für den Hund meist sehr stressbeladen ist, kann zu einem aggressiven Verhalten führen.

Nicht zu vergessen sind aber auch Hunde, die durch ihre Besitzer immer wieder in Situationen gebracht werden, denen sie gerne entfliehen würden, dies aber nicht können.

Eine typische Aggression, mit denen viele Hundehalter zu kämpfen haben, ist die Leinenaggression. Dieser liegt häufig Frustration zu Grunde.

Denn während er als Junghund noch mit fast jedem Hund spielen durfte, wird er im Laufe des Erwachsenwerdens bei Hundebegegnungen immer häufiger an die Leine genommen. Je nach Hundetyp wird er seinen dadurch entstandenen Frust durch in die Leinespringen und Bellen kundtun, weshalb in sein Besitzer bei der nächsten Begegnung kürzer nehmen und evt. mit Aus, Pfui oder Nein ruhig zu stellen versucht.

Und schon beginnt ein Teufelskreis, weil nun neben dem eigenen Frust auch noch der Druck und die Frustration des Besitzers dazu kommt. Weil der Hund jedoch nicht weiss, dass sein Besitzer wegen ihm so reagiert, es aber immer geschieht, wenn ein anderer Hund auftaucht, wird dieser mit der Zeit zum Ankündiger für etwas Unangenehmes (=klassische Konditionierung). Und deshalb wird der Hund dann auch versuchen, den anderen durch Verbellen und sonstigem zu vertreiben.

Deshalb ist es wichtig

  • genau zu beobachten, in welchem Zusammenhang und Intensität das aggressive Verhalten gezeigt wird, aber auch, wie das Gegenüber darauf reagiert
  • dem Hund gleichzeitig zu helfen, dass er möglichst wenig in Situationen gebracht wird, die er noch nicht aushalten und somit in seinen Augen aggressiv beantworten muss
  • mit dem Hund so zu üben und trainieren,
    • dass er mehr Selbstvertrauen und innere Stärke bekommt
    • sein genereller Stresslevel sinkt und seine Frustrationstoleranz sowie Selbstkontrolle steigt
  • an sich selbst zu arbeiten, um möglichst wenig zum Konflikt beizutragen

Ausserdem ist darauf zu achten, dass der Hund genügend Ruhepausen und Entspannung bekommt, um solche Situationen zu verarbeiten

Eines ist Aggression aber garantiert nicht: Ein Zeichen dafür, dass der Hund die Weltherrschaft an sich reissen und alle anderen dominieren will.

Genauso wenig zählt das Beutefangverhalten zum Aggressionsverhalten. Denn hier findet weder eine Kommunikation statt noch soll die Beute auf Distanz gehalten werden. Im Gegenteil, diese soll vorgängig nicht über die Absichten des Jägers informiert werden, um möglichst spät die Flucht ergreifen.

Gerade im Hinblick auf Hundebisse ist diese Unterscheidung eminent wichtig. Denn abhängig davon, ob der Hund aus dem Agressionsbereich oder aus fehlgeleitetem Beutefangverhalten heraus einen anderen Hund oder ein Kind gebissen hat, muss ein anderer Ansatz für die Therapie gewählt werden

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© 2013 – Teamschule – Monika Oberli

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